EU-Osterweiterung mehr Chance als Risiko

- Berlin - Die Europäische Union wird größer. Zehn europäische Staaten im Osten kommen im Mai 2004 dazu. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das neue Marktpotenziale direkt vor der eigenen Haustür, aber auch mehr Wettbewerb. In einer Serie stellen wir die einzelnen neuen EU-Länder vor.

<P>In den Unternehmen gibt es große Hoffnungen, aber auch beträchtliche Skepsis. Preise, Steuern, Lohn- und Sozialkosten liegen in den neuen Mitgliedsländern beträchtlich unter deutschem Niveau. Vor allem für die ostdeutsche Wirtschaft und spezielle Branchen wie den Bausektor befürchten manche daher negative Folgen. Dagegen erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, dass sich die Beitrittsländer als Eldorado für deutsche Ausfuhren erweisen werden. Jetzt könnten die Unternehmen die Früchte ihrer frühzeitigen Positionierung auf diesen Märkten ernten. Die Bundesregierung rechnet mit überwiegend positiven Effekten: "Der Handel mit den mittel- und osteuropäischen Staaten ist eine der Stützen des deutschen Wohlstands und sichert damit Arbeitsplätze auch in Deutschland." Das Wirtschaftsministerium räumt aber auch ein, dass vor allem kapitalintensive und technologisch fortgeschrittene Unternehmen von der Erweiterung profitieren werden. Dagegen würden Bereiche mit hohen Arbeitskostenanteilen und unterdurchschnittlichen Qualifikationen unter Anpassungsdruck geraten.</P><P>Die deutschen Ausfuhren in die neuen Mitgliedsländer haben 2002 um 6,1 Prozent auf 53,3 Milliarden Euro zugenommen, die Einfuhren um 6,4 Prozent auf 52,1 Milliarden Euro. Über 80 Prozent des Handels mit den Beitrittsländern entfiel auf Polen, Tschechien und Ungarn. Die deutschen Ausfuhren insgesamt wuchsen 2002 nur um 1,6 Prozent, die Einfuhren gingen um 3,8 Prozent zurück. </P><P>Der Einzelhandel rechnet sich große Chancen in den neuen Märkten aus: Die Handelskonzentration ist dort bei weitem nicht so weit fortgeschritten wie in der bisherigen EU. Kleinere Läden herrschen noch vor. Für große Handelsketten eröffnen sich damit gute Möglichkeiten, dort Fuß zu fassen. Die inländische Konkurrenz wird bei Einkaufsmacht und Beschaffungspotenzial als hoffnungslos unterlegen eingeschätzt. Die Märkte sind noch nicht gesättigt und der Wettbewerb geringer.</P><P>Die sechs führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute erwarten zudem als Folge des Integrationsprozesses deutliche Einkommensgewinne. Sie würden etwa für Polen und Ungarn auf 8 bis 9 Prozent geschätzt, für die mittel- und osteuropäischen Staaten insgesamt auf 5 bis 8 Prozent.</P><P>Die Institute sehen auch gute Möglichkeiten für deutsche Investoren. Die Risikoprämien für die Finanzierung von Investitionen würden mit dem Beitritt wohl sinken. Die Länder hätten großen Nachholbedarf, gerade was die Ausstattung mit Investitionsgütern angehe, erklärte der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). "Hier sehe ich auf Jahre hinaus ausgezeichnete Geschäftschancen für die deutsche Wirtschaft", sagt BGA-Präsident Anton Börner. Hauptmotive für Investoren seien neben der Privatisierung vergleichsweise günstige Standortbedingungen und die Erschließung neuer Märkte.</P>

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