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Peter Driessen, Chef des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, mahnt Politik und Banken zum Handeln, um die drohende Abwärtsspirale der Wirtschaft zu stoppen.

Euphorie in der bayerischen Wirtschaft ist verflogen

München - Bayerns Wirtschaft stellt sich auf härtere Zeiten ein. Noch ist die Lage gut, doch die Geschäftserwartungen stürzen in den Keller.

Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft kippt. „Noch sieht alles sehr schön aus, aber wir wissen, dass es in den kommenden Wochen trister wird“, sagte der Chef des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), Peter Driessen, gestern in München. Die aktuelle Herbstumfrage der Kammer unter mehr als 3800 Unternehmen zeige eindeutig, dass die grenzenlose Euphorie der vergangenen Monate und das Vertrauen in einen Wirtschaftsboom verflogen seien.

Zwar befinde sich die Wirtschaft „aktuell in einer guten Verfassung“, sagte Driessen. Doch die Firmen berichten von schleppenden Auftragseingängen in den vergangenen sechs Monaten. Das deute auf eine Abkühlung hin.

Die derzeit hohe Kapazitätsauslastung der Betriebe könnte man daher als Flucht nach vorne interpretieren. Vorhandene Aufträge möchten die Unternehmen möglichst schnell abarbeiten, sagte Driessen, „um Stornierungen im Zuge einer erneuten Zuspitzung auf den Finanzmärkten vorzubeugen“.

Die seit Monaten schwelende Euro-Schuldenkrise macht Driessen als Hauptursache für die trüben Zukunftsgedanken aus. „Allein die negative Erwartungshaltung könnte eine Abwärtsspirale in Gang setzen“, befürchtet der BIHK-Chef. Nun stünden Banken und die Politik gleichermaßen in der Verantwortung, um auf Dauer tragfähige Lösungen auf den Tisch zu bringen. Doch statt diese gemeinsam zu erarbeiten, versuche jeder dem anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben.

„Ich habe großes Verständnis dafür, dass die Bürger im hohen Maße verunsichert sind“, sagte Driessen. Schließlich hätten weder die Politik noch die Banken die Lehren aus der vergangenen Finanzkrise gezogen. Er mahnte die Verantwortlichen, Beschlüsse einheitlich zu vertreten und dann auch konsequent umzusetzen. Nur so könne man den Vertrauensverlust wieder ausgleichen. Unerlässlich sei es auch, die hohe Schuldenlast Deutschlands anzugehen, um finanziellen Handlungsspielraum zu haben für die nächste Krise, „wann immer sie kommt“, orakelte Driessen.

Die Furcht vor einer erneuten konjunkturellen Vollbremsung spiegle sich in den Erwartungen der bayerischen Unternehmer wider, die deutlich schlechter ausfallen als die aktuelle Geschäftslage. In keiner Befragung der vergangenen Jahre klaffte die Schere so deutlich auseinander (siehe Grafik).

Mit die Ersten, die eine Wachstumsschwäche in anderen Wirtschaftszweigen spüren, sind die Produzenten für industrielle Vorleistungsgüter, wie etwa Metallerzeugnisse, erklärte Driessen. Diese Sparte korrigierte ihre Perspektiven deutlich nach unten. Rund 15 Prozent rechnen nun mit schlechteren Geschäften, im Frühjahr waren es gerade mal fünf Prozent. Auch im Baugewerbe stieg die Zahl der Pessimisten deutlich von acht Prozent im Frühjahr auf 19 Prozent im Herbst. Im Einzelhandel stieg der Prozentsatz von zehn auf 15 Prozent.

Positiv sei allerdings, dass rund 90 Prozent der Befragten aus allen Branchen derzeit nicht an einen Stellenabbau denken, sagte Driessen. „Die Arbeitslosigkeit in Bayern dürfte damit erst einmal niedrig bleiben.“

Stefanie Backs

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