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Der DAX musste Verluste hinnehmen.

Dax und Euro befinden sich auf Talfahrt

Frankfurt/Main - Die Panik an den Börsen ist zurück. Der Dax rauscht wieder massiv in die Tiefe. Als Gründe werden alle möglichen Nachrichten genannt, Hauptsache, es sind schlechte.

Die deutschen und europäischen Aktienmärkte sind am Montag regelrecht abgestürzt. Verantwortlich war vor allem die schlechte Stimmung. Deutsche-Bank-Chef Joseck Ackermann löste mit mit seiner Warnung vor einer neuen Finanzkrise Sorgen aus. Zu Beginn der Börsenwoche rutschte der deutsche Leitindex der Leitindex um 5,28 Prozent auf 5246,18 Punkte ab - auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Sein Tagestief hatte er bei 5208 Punkten. Besonders hart traf es die Deutsche Bank.

Den größten Tagesverlust seit Beginn des Abwärtstrends hatte der Dax im August mit einem Minus von 5,82 Prozent am “Schwarzen Donnerstag“ (18. August) verkraften müssen. Das war das höchste Minus an einem einzigen Tag seit November 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Als Gründe für den Montagsabsturz wurden erneut die anhaltenden Konjunktur- und Schuldensorgen genannt, insbesondere mit Blick auf Griechenland und Italien. Der EuroStoxx50 mit den wichtigsten Aktien der Eurozone sackte um 5,11 Prozent auf 2107,27 Punkte ab. Die New Yorker Wall Street blieb wegen eines Feiertags geschlossen.

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Händler berichteten, jede schlechte Nachricht oder Spekulation schlage sich sofort in den Kursen nieder. Dieser extreme Pessimismus hatte bereits den August geprägt - dem schloss sich in der vergangenen Woche ein Aufwärtstrend an, der sich nun aber als kurzes Zwischenhoch entpuppte. Im Vergleich zum Jahreshoch bei 7600 Punkten Anfang Mai liegt das Dax-Minus inzwischen bei mehr als 30 Prozent.

Als Belastungsfaktoren sah Marktanalystin Louise Cooper von BGC Partners die ungeachtet der massiven Aufkäufe durch die Europäische Zentralbank wieder gestiegenen Renditen für italienische Staatsanleihen, nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein Sparpaket verwässert habe. Am Markt kursierte zudem das Gerücht, dass die Ratingagentur Moody's eine Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens erwäge.

Spitzenpolitiker aus aller Welt, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dementierten Gerüchte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, die ebenfalls die Märkte belasteten. Das hoch verschuldete Land stehe zu seinen Zusagen gegenüber den Euro-Partnern, beschwichtigte auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei einem Besuch in Australien.

Aktien der Deutschen Bank schmieren ab

Die Aktien der Deutschen Bank rutschten als schwächster Dax-Wert um 8,86 Prozent auf 23,715 Euro in die Tiefe. Hintergrund waren vor allem neue rechtliche Probleme in den USA und in Großbritannien. Vorstandschef Josef Ackermann malte zugleich auf einer Tagung in Frankfurt ein düsteres Bild der Branche und stellte Vergleiche mit der Lage im Herbst 2008 her. Zuvor waren die Papiere zwischenzeitlich auf ihren tiefsten Stand seit März 2009 gefallen.

“Nach großen Krisen werden Banken immer wieder mit Klagen konfrontiert“, sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets. Sie sollten aber nicht überbewertet werden. Auch andere Bankaktien mussten herbe Verluste hinnehmen, darunter im EuroStoxx die italienische Intesa und die niederländische ING-Gruppe. Am Dax-Ende tummelten sich außerdem die Autokonzerne Daimler und BMW mit Abschlägen von mehr als sechs Prozent sowie die Infineon-Aktie.

Gold lag hingegen leicht im Plus und bewegte sich mit Kursen von knapp unter 1900 Dollar wieder auf seinen Rekord vom August zu. Die Ölpreise gingen leicht zurück. Auch damit setzte sich der Trend vom August fort, erläuterten Börsenexperten: Fällt die Börse, steigt Gold, das als “sicherer Hafen“ und Krisenwährung gilt. Die Ölpreise sanken wiederum wegen der Aussicht auf eine schwächelnde Konjunktur - oder gar eine Rezession weltweit. Der Euro-Kurs fiel im Nachmittagshandel unter die Marke von 1,41 Dollar.

Am deutschen Anleihemarkt erreichten die Renditen für Anleihen mit einer Laufzeit von zwei und zehn Jahren neue Rekordmarken. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank in der Spitze auf 1,856 Prozent und lag damit so tief wie nie zuvor. Die Rendite für zweijährige Anleihen rutschte in der Spitze auf 0,413 Prozent und damit ebenfalls auf ein Rekordtief.

dpa/dapd

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