Euro knackt magische Grenze - Rekord könnte zugleich Wendepunkt sein

Frankfurt - Die magische Grenze ist geknackt. Nur wenige Wochen nach der massiven Zinssenkung in den USA hat der Euro am Dienstagabend ein Rekordhoch von 1,5047 Dollar erreicht. Doch die psychologisch wichtige Marke von 1,50 Dollar könnte gleichzeitig den Wendepunkt bedeuten.

Der Euro wird nach Einschätzung von Ökonomen nicht durch die Decke gehen, sondern schon bald wieder an Wert verlieren. Aufkeimende Sorgen um die Konjunktur und mögliche Zinssenkungen im Euro-Raum im zweiten Halbjahr dürften den Euro schwächen. Zudem darf die Entwicklung gegenüber dem Dollar nicht überbewertet werden. Im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen wie Yen und Schweizer Franken hat der Euro seit dem Einbruch an den Weltbörsen Mitte Januar schon wieder an Wert verloren.

"Der Euro ist gar nicht so eine unglaublich harte Währung", sagt Volkswirt Christian Melzer von der DekaBank. Im vergangenen Jahr stieg der Wert des Euro gegenüber dem Dollar um rund 10 Prozent -handelsgewichtet gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen betrug das Plus aber nur 7 Prozent. Seit Jahresbeginn ist der Euro gegenüber dem Währungskorb mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent sogar fast stabil geblieben. Vor allem in den Tagen der Börsenturbulenzen hätten Yen und Franken aufgewertet, weil es uninteressanter wurde, Kredite in diesen Niedrigzinswährungen aufzunehmen und an den Aktienmärkten in Europa oder USA anzulegen (Carry Trades).

"Der Zyklus ist gelaufen, der Dollar wird sich im zweiten Halbjahr wieder erholen", sagt Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Grund dafür sei, dass die Zinsdifferenz zwischen Amerika und Europa künftig wieder kleiner werde.

Den Absturz des Dollar in den vergangenen Monaten hatte die Krise am US-Immobilienmarkt ausgelöst, die Rezessionsängste in den USA schürte. Zur Stützung der Konjunktur senkte die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins im Januar zweimal um zusammen 1,25 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent. Damit ist die Schere zwischen dem Leitzins in den USA und dem im Euro-Raum von 4,0 Prozent größer geworden. Anlagen in Euro wurden attraktiver, so dass viele Investoren und Financiers ihre Mittel aus den USA abzogen, was den Dollar erheblich belastete.

Nun rechnen Ökonomen aber in den nächsten Monaten auch für den Euro-Raum mit Zinssenkungen. Es werde immer klarer, dass Europa sich von dem Wachstumseinbruch in den USA nicht abkoppeln könne. Der Zinsvorsprung Europas werde dahinschmelzen, was den Dollar stärkt. "Die Märkte würdigen zudem das Konjunkturprogramm der US-Regierung", sagt der Chefvolkswirt der BHF-Bank, Uwe Angenendt. Zudem hat sich das enorme Defizit in der US-Handelsbilanz stabilisiert. Der Fehlbetrag war in den ersten elf Monaten 2007 mit 650 Milliarden rund 50 Milliarden Dollar niedriger als im Jahr zuvor. Auch das spricht gegen eine weitere Dollar-Abwertung.

Aktuell hat der Euro gegenüber dem Dollar den höchsten Stand seit seiner Einführung 1999 erreicht. Mittlerweile hat der Euro sogar den alten Rekord der D-Mark vom Februar 1995 eingestellt. Auch gegenüber dem Währungskorb wurde im Januar ein Spitzenwert erreicht. Keine Spur mehr von einer "Weichwährung", wie Kritiker im Jahr 2000 angesichts eines Tiefstands von 0,82 US-Cent befürchtet hatten. Der Euro hat sich inzwischen als zweite Weltwährung neben dem amerikanischen Greenback etabliert.

Mit dem jüngsten Euro-Höhenflug ist die exportorientierte Wirtschaft Europas bisher gut klar gekommen. Der starke Euro ist zwar ein Wettbewerbsnachteil außerhalb Europas, weil er deutsche Produkte in den Ländern verteuert, die in Dollar abrechnen. Doch die meisten deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum, der von Wechselkursschwankungen nicht betroffen ist. Zudem profitiert Deutschland von der Globalisierung und den neuen Märkten in Asien und im Nahen Osten.

"Wir haben wegen des starken Euro sicher den einen oder anderen Auftrag an die Wettbewerber aus Japan oder dem Dollar-Raum verloren", sagt der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Manfred Wittenstein. "Doch offenbar wiegen die robuste Konjunktur und unser erstklassiges Angebot stärker als die Wechselkursentwicklung." Von einer "Schmerzgrenze" beim Euro wollen die Maschinenbauer daher nicht reden. Die Konsumenten profitieren vom starken Euro: Das Reisen in die USA ist deutlich billiger geworden und der Anstieg des in Dollar fakturierten Öls wird durch den Wechselkurs gedämpft - sonst müssten Verbraucher an Tankstellen und beim Heizöl noch mehr zahlen.

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