+
Philipp Rösler ist FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister.

Euro-Krise: Konsequenzen gegen nervöse Märkte

Berlin - Angesichts der erneuten Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise drängt die Opposition die Bundesregierung zu weiteren Schritten. Vizekanzler Rösler übt Kritik an EU-Kommissionspräsident Barroso.

Eine konzertierte Aktion der sieben großen Industriestaaten und Russlands (G8) müsse für eine Beruhigung der hochnervösen Finanzmärkte sorgen, sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß am Freitag der dpa. Die Grünen forderten endlich dauerhafte Lösungen. Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) kritisierte den Vorstoß von EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso für eine Aufstockung des Euro-Krisenfonds EFSF. In der schwarz-gelben Koalition wächst die Sorge, dass südeuropäische Schuldenländer die Paniksituation an den Märkten zur Einführung gemeinsamer Euro-Anleihen nutzen könnten.

Rösler betonte, die jüngsten Gipfel-Entscheidungen vom 21. Juli müssten jetzt konsequent umgesetzt werden. “Deswegen sehe ich gar keine Notwendigkeit für eine erneute Diskussion“, sagte der FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister der dpa. Die von Barroso ausgelöste Debatte komme zur Unzeit. “Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da wurden weitreichende und gute Beschlüsse gefasst.“ Entscheidend sei, dass verschuldete Länder wie Griechenland ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhten. “Das ist die Hauptaufgabe. Wenn die besser wird, dann werden sich auch die Märkte wieder beruhigen.“

Die Schuldensünder der Euro-Länder im Ranking

Die Schuldensünder der Euro-Länder im Ranking

Beim Brüsseler Gipfel vor zwei Wochen war mit einem zweiten Milliarden-Notpaket der 17 Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Staatspleite Griechenlands abgewendet worden. Zudem wurden weitere Kompetenzen für den EFSF beschlossen. Dennoch entzogen Anleger nun auch Italien und Spanien das Vertrauen. Die Zinsen für Staatsanleihen beider Länder stiegen auf Rekordwerte.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und der finanzpolitische Sprecher Gerhard Schick forderten weitere Maßnahmen: “Dazu zählen eine Ausweitung des Rettungsschirms und endlich auch die dringend notwendige Einführung von Euro-Bonds.“ Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU) sagte dagegen, gemeinsame Staatsanleihen der 17 Euro-Länder höhlten den Wettbewerbsgedanken völlig aus: “Niemals. In dieser Frage muss Deutschland die rote Linie ziehen“, sagte er dpa.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund warf der Politik weltweit vor, bei der Finanzmarktregulierung versagt zu haben. Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei “Spiegel Online“ auf, wegen der Krise ihren Urlaub abzubrechen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streik in der Kabine: Ryanair sagt 300 Flüge ab
Bei Ryanair spitzt sich der Konflikt mit dem fliegenden Personal zu. Nach den irischen Piloten streiken nun die Flugbegleiter in mehreren europäischen Ländern. Die …
Streik in der Kabine: Ryanair sagt 300 Flüge ab
Als Kundin bei Aldi ans Tiefkühlfach tritt, macht sie wirklich verwirrende Entdeckung
Eine Aldi-Kundin hat am Tiefkühlregal eine verwirrende Entdeckung gemacht. 
Als Kundin bei Aldi ans Tiefkühlfach tritt, macht sie wirklich verwirrende Entdeckung
Lamborghini-Rückruf: Motor kann absterben
Ingolstadt/Sant’Agata Bolognese (dpa) - Lamborghini ruft 6893 Sportwagen in die Werkstatt zurück, weil der Motor ausgehen kann.
Lamborghini-Rückruf: Motor kann absterben
Bauern beklagen Ernteausfälle wegen Dürre
Für Eisverkäufer und Freibäder läuft der Sommer prima, für Bauern ist er ein Problem. Ihre Ernten fallen geringer aus - das trifft auch die Tierhalter. Bund und Länder …
Bauern beklagen Ernteausfälle wegen Dürre

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.