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Euro nähert sich Rekordkurs: Doch die Wirtschaft bleibt gelassen

- München -­ Der Euro ist der Star an den Finanzmärkten. Seit Wochen ist die europäische Gemeinschaftswährung auf Höhenflug und hat am Freitag ein neues Zweijahreshoch von mehr als 1,35 US-Dollar erreicht. Ökonomen trauen dem Euro zu, dass er in den nächsten Tagen sein historisches Rekordhoch von 1,3666 vom Dezember 2004 übertrifft. Im Gegensatz zu früheren Höhenflügen bleiben die Klagen aus Politik und Wirtschaft über Nachteile für die Exportwirtschaft aber aus. Auch die Notenbanken sehen die Entwicklung gelassen.

"Die Aufwärtsbewegung erfolgt kontinuierlich und nicht in Sprüngen", sagt der Währungsexperte der BHF-Bank, Stephan Rieke. "Das lässt den Unternehmen Zeit, sich darauf einzustellen." Zu Jahresbeginn war der Euro mit 1,32 Dollar gestartet, sank nur leicht auf 1,29 und klettert seit Februar unaufhörlich nach oben. Nach Expertenansicht haben sich die deutschen Exporteure bereits auf Kurse von 1,40 Dollar eingestellt und gegen Währungsrisiken abgesichert. Der Euro ist dank der robusten Konjunktur und steigender Zinsen einfach nicht zu bremsen ­ und das nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch dem japanischen Yen. In den vergangenen Tagen mussten für einen Euro 160 Yen gezahlt werden, so viel wie nie zuvor. Ein starker Euro verteuert Waren in Ländern, in denen in Dollar oder Yen abgerechnet wird, und mindert die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.

Die Situation heute ist aber anders als beim Euro-Rekord Ende 2004: damals wuchs die Wirtschaft nur langsam; die Schwäche des Dollar ließ den Euro kurzfristig steigen und in den nächsten Monaten wieder auf 1,20 Dollar abwerten. Diesmal ist der Aufschwung in Europa robust. "Die Euro-Wirtschaft strahlt und der Euro bekommt von diesem Glanz etwas ab", sagt der Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding. Der Aufwärtstrend sei sanfter und werde nicht so schnell abbrechen. Zum Jahresende sieht die Mehrheit der Volkswirte den Euro stark bei 1,35 bis 1,40 Dollar.

Die Industrie steht nach Jahren mit geringen Lohnsteigerungen und Kosteneinsparungen gut da. Die Nachfrage aus neuen Exportmärkten boomt. "Wir können einen starken Euro gut verkraften", sagt der Chefvolkswirt des Deutschen Maschinenbauverbands VDMA, Ralph Wiechers. "Die Aufwertung tut schon weh, aber die gute Konjunktur gleicht das aus." Die Maschinenbauer, die sieben von zehn Maschinen ins Ausland verkaufen, profitierten von neuen Märkten wie Indien, Osteuropa und den Ölländern.

Zwei wesentliche Gründe treiben den Euro: Die Sorge über die US-Wirtschaft und Zinsspekulationen. "Die Stimmung ist eindeutig pro Euro", sagt der leitende Volkswirt der Commerzbank, Ralph Solveen. "Da ist aber auch viel Euphorie dabei." In Europa läuft die Konjunktur ­ trotz der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland ­ unerwartet gut, während die Entwicklung in den USA ungewiss ist. Die Erwartungen reichen von einem langsamen Abflauen bis zu einer "harten Landung", die in eine Rezession münden könnte. Das macht den Dollar für internationale Investoren weniger attraktiv, während Anlagen im Euro-Raum beliebter werden.

Ein weiteres Thema ist die Zinsdifferenz zwischen dem Euro-Raum und den USA. Während die US-Notenbank Fed wegen der Abkühlung der Konjunktur an eine Senkung des Zinsniveaus von derzeit 5,25 Prozent denkt, hat die Europäische Zentralbank im März die Zinsen auf 3,75 Prozent erhöht. Am Donnerstag schickte die EZB den Euro Richtung Rekordhoch, als sie einen Zinsschritt für Juni andeutete. Dadurch schrumpft der Zinsunterschied zwischen Europa und den USA. Die Kursentwicklung sieht EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gelassen: "Starke Kursschwankungen sind unerwünscht", wiederholte er eine Standardformulierung. Ebenso zurückhaltend werden wohl auch die sieben mächtigsten Finanzminister und Notenbankchefs (G7) auf ihrem Treffen an diesem Wochenende in Washington bleiben.

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