Kein Witz: Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen

Kein Witz: Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen

Der Euro und die neuen Preise

München - Der Euro hat bei den Verbrauchern kein gutes Image, gilt er doch gemeinhin als „Teuro“, als Preistreiber. In diese Kerbe schlägt nun auch eine neue Studie über die „heimliche Inflation“.

„Die haben doch damals auf dem Preis-Etikett nur das Währungszeichen ausgetauscht“ – das ist eine der weitverbreiteten Meinungen über den Euro. Verbraucher fühlen sich seit der Einführung der Gemeinschaftswährung über den Tisch gezogen. Zu Unrecht, meinen Währungshüter und Volkswirte, zu Recht findet dagegen eine Studie im Auftrag des „Focus“.

Dort ist die Rede von einer „heimlichen Inflation“, die unser Geld entwertet und das in einem sehr viel höheren Maße, als die statistischen Ämter Monat für Monat berechnen (siehe dazu Grafik rechts). Bereits ab Sommer 2001 hätten Handel, Hersteller und Dienstleister an hunderten Preisen gedreht, um beim offiziellen Euro-Start 2002 nicht als Preistreiber dazustehen, argumentiert der engagierte Forscher Wolfgang Steinle in seiner Studie. Ein großangelegter Praxistest lege die teils extremen Preissprünge zwischen 2001 und 2011 offen. „Bis auf wenige Ausnahmen – vor allem Obst/Gemüse, EDV und Haushaltsgeräte – regierte der Teuro“, lautet das Fazit.

Herstellungskosten als Preistreiber

Als Bestätigung wird der damalige Finanzminister Hans Eichel mit den Worten zitiert: „Wir spüren an vielen Stellen Preiserhöhungen, die sehr ärgerlich für den Verbraucher (...) sind.“ Doch ein klar nachvollziehbarer, genereller Zusammenhang zwischen den vielen Preissprüngen und der Euro-Einführung bleibt die Studie dem Leser jedoch schuldig.

So erklärt sich beispielsweise der festgestellte Preissprung von 58 Prozent innerhalb der vergangenen zehn Jahre bei Marmelade vor allem mit höheren Herstellungskosten, argumentiert auch Schwartau gegenüber dem „Focus“. Erdbeeren hätten sich in diesem Zeitraum um 90 Prozent verteuert, Glukose um 40, Zucker um 20, das Glas an sich um 140 und die Lohn- sowie Stromkosten um jeweils 30 Prozent.

Ein anderes genanntes Beispiel ist ein Fläschchen Maggi-Würze. Das kostete vor zehn Jahren 1,49 Euro, 2002 dann 1,54 – doch der eigentliche Sprung kam erst im Jahr 2011 – zehn Jahre nach der Einführung des Euro. Der Standardpreis liege aktuell bei 1,79 Euro.

Preisgefüge hat sich geändert

„Einen Teuro sehe ich nicht“, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt der Unicredit. Ein allgemeiner inflationärer Impuls ist seiner Meinung nach nicht von der Euro-Einführung ausgegangen. „Der Euro ist eine stabile Währung.“

Im Preisgefüge habe sich die vergangenen zehn Jahre jedoch einiges getan. Man habe viele Jahre lang von den äußerst niedrigen Produktionskosten vor allem in den asiatischen Ländern profitiert. „Das hat unsere Preise stark entlastet“, sagt Rees. Mit dem zunehmenden Wohlstand in jenen Ländern klettern nicht nur die dortigen Löhne, sondern auch der Eigen-Bedarf nach Energie und Nahrungsmitteln – stark nachgefragte Güter, steigen im Preis.

Mehr Glamour, mehr Eintritt

Das erklärt jedoch nicht alle festgestellten Preissprünge in der Studie. Die 210 Prozent mehr für eine Logenkarte zum Silvesterkonzert in der Dresdner Semperoper etwa. Hier spielen weniger die Schwellenländer eine Rolle, als die Tatsache, dass das Konzert nun im Fernsehen übertragen und damit mit Megastars wie Netrebko und Thielemann einiges glamouröser als noch 2001 ist. Bei so viel Pomp sind dieses Jahr 270 statt 87 Euro fällig.

Euro hat Verbraucher für Preise sensibilisiert

„Seit der Euro-Einführung sind die Verbraucher sensibler geworden“, sagt Peter Kenning, Professor an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Durch den Währungswechsel und die Tatsache, dass einige Anbieter die leichten Irritationen genutzt hätten, um ihre Preise zu erhöhen, verfolgen Verbraucher die Preisentwicklung intensiver. Wenngleich ihr tatsächliches Wissen über die Kosten von alltäglichen Produkten „sehr lückenhaft ist“, hat Kenning in seinen Studien festgestellt.

„Die Verbraucher sind verwirrt“, meint der Konsumforscher. Schließlich werde das Angebot in den Supermarktregalen immer komplexer. „Das ist nur schwer zu überblicken und einzuordnen.“ Daher wachse der Wunsch nach Stabilität – auch nach stabilen Preisen.

Bezahlen ist grundlegend negativ

Dabei löse nicht der Euro, sondern das Bezahlen an sich eine negative Reaktion bei Verbrauchern aus. „Preisinformationen stimulieren einen Bereich im Gehirn, der unangenehme Reize verarbeitet“, sagt Kenning. Der Werbe-Spruch „Alles 20 Prozent günstiger“ signalisiere also nicht: „Juhu, alles billiger!“, sondern: „Es tut weniger weh.“

Stefanie Backs

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer Hauptstadtflughafen soll nun 2020 eröffnen
In den vergangenen Jahren ist ein Eröffnungstermin nach dem anderen gekippt. Der neue aber soll jetzt sicher sein, versprechen die Verantwortlichen des BER. Es ist aber …
Neuer Hauptstadtflughafen soll nun 2020 eröffnen
Kein Witz: Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen
In den vergangenen Jahren ist ein Eröffnungstermin nach dem anderen gekippt. Der neue aber soll jetzt sicher sein, versprechen die Verantwortlichen des BER. Es ist aber …
Kein Witz: Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen
Airbus-Konzernchef Tom Enders hört 2019 auf
Der deutsche Airbus-Chef Tom Enders stand schon länger unter Druck. Jetzt kündigt der von Korruptionsverdacht belastete Flugzeuggigant einen Wechsel seines …
Airbus-Konzernchef Tom Enders hört 2019 auf
Ryanair erwägt Kauf von Niki
Die Insolvenz der Airline Niki hat diese Woche für Turbulenzen gesorgt. Ryanair hat jetzt nach dem Rückzieher der Lufthansa Interesse an der insolventen österreichischen …
Ryanair erwägt Kauf von Niki

Kommentare