Euro nicht zu bremsen: EZB grübelt

- Frankfurt - Der Euro ist auch im neuen Jahr nicht zu bremsen. Gestern kletterte er erstmals über die Marke von 1,28 Euro - und bringt damit die europäischen Währungshüter erneut in Schwierigkeiten. Nach Einschätzung von Währungsexperten gibt es mittlerweile keine rationale Erklärung für den rasanten Kursanstieg. Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warnte, ein weiterer Anstieg könnte sich zu einer ernsthaften Gefahr für den Konjunkturaufschwung entwickeln.

<P>Aus Befragungen von Unternehmen gehe hervor, dass bei einem Euro-Kurs von 1,30 Dollar die Gefährdungsgrenze erreicht werde, sagte Sinn der "Berliner Zeitung". Bei noch höheren Kursen werde der Export trotz der Wechselkursabsicherungen der Firmen in Mitleidenschaft gezogen. In einem solchen Fall müsse befürchtet werden, dass die Exportkonjunktur zum Erliegen kommen werde. Das würde gleichzeitig bedeuten, dass die Wachstumserwartungen von knapp zwei Prozent im laufenden Jahr nicht zu halten seien.</P><P>Der Bundesverband Groß-und Außenhandel (BGA) geht bisher davon aus, dass die Folgen für die exportorientierten Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen dürften. Firmen, die stark im US-Geschäft sind, leiden stärker. Dabei treffe es die Konsumgüterhersteller härter als die Produzenten von Investitionsgütern. Zwar sei der Euro-Höhenflug für einzelne Firmen durchaus problematisch. Positiv sei aber, dass die Konjunktur im Ausland deutlich angesprungen sei. "Die Nachfrage ist da. Die Situation ist daher nicht so dramatisch", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Mit Sorge werde allerdings das Tempo des Euro-Kursanstiegs beobachtet. Das mache die Planung für die Unternehmen schwierig. Börner: "Die Euro-Dollar-Kursentwicklung ist nur zum Teil rational zu verstehen."</P><P>Ähnlich äußerte sich auch Michael Schubert von der Commerzbank: "Mir fällt es schwer, Fundamentalfaktoren zu finden, die einen derart rasanten Anstieg rechtfertigen." Schubert spricht von einem "spekulativen Überschießen" des Euro-Kurses. Daraus könne sich sehr schnell eine Eigendynamik entwickeln, die nur schwer aufzuhalten sei, sagte der Währungsexperte.</P><P>Die Entwicklung bringt auch die Europäische Zentralbank ins Grübeln, die am morgigen Donnerstag zum ersten Mal in diesem Jahr zusammentritt. Einige Notenbanker machten sich bereits öffentlich Sorgen um die Auswirkungen des Euro-Höhenflugs. Einer hielt sich bisher auffällig zurück: Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet. Eine Zinssenkung, die den Kursaufschwung des Euro bremsen könnte, ist derzeit wohl noch nicht zu erwarten.<BR></P>

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