Euro: Stimmungsumschwung nach Mord an Anna Lindh?

- Stockholm - Der Mord an der schwedischen Außenministerin und Euro-Befürworterin Anna Lindh könnte dem Land den Euro bescheren. Zwei Umfragen geben zwar ein uneinheitliches Bild. Eine davon zumindest signalisiert einen Umschwung zugunsten des Euro.

<P>Das Institut Sifo geht nach wie vor von einem 12 %-Vorsprung der Eurogegner aus. Dagegen sehen die Konkurrenten von Skop nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen für die Abstimmung am Sonntag. Vor dem Verbrechen war der Vorsprung der Euro-Gegner immer weiter angewachsen. Damit stand der Regierung und der bürgerlichen Opposition eine herbe Niederlage ins Haus. Mehrheitlich hatten sich die politische Mitte, die Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften für den Euro ausgesprochen. Dagegen standen Kommunisten, Nationalkonservative und Grüne, zum Teil sogar mit offener Unterstützung von sozialdemokratischen Regierungsmitgliedern.</P><P>Was die Euro-Gegner in Schweden eint, ist unklar. Ihre Argumente sind widersprüchlich. So führen Gegner das Aufweichen des Maastrichter Stabilitätspaktes als Argument gegen die Einheitswährung an. Andererseits fürchten sie, Schweden verlöre ein Stück Souveränität beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Dies ist aber auch das Motiv der mitteleuropäischen Maastricht-Weichmacher.<BR>Letztlich geht es um nationale Identität, in deren Mittelpunkt der Sozialstaat steht. Eine Aufgabe der Krone wäre nach Ansicht der Euro-Kritikerin May-Britt Theorin der erste Schritt zur Einführung einer gemeinsamen Steuerpolitik und das Ende von "Errungenschaften wie 480 Tage Elternurlaub. Der Fortschritt, den wir in den vergangenen 30 Jahren erreicht haben, würde verloren gehen", sagt sie.</P><P>Dabei ist es mit dem Wohlfahrtsstaat Schweden nicht weit her. Bis in die achtziger Jahre hatte das Land bei der Kaufkraft einen Spitzenplatz inne. Heute liegt es in der EU-Statistik auf Platz elf, vor Großbritannien, Spanien, Portugal und Griechenland. So hält die Mär von der Überlegenheit Schwedens einer Überprüfung nicht stand. "In Wirklichkeit sind Gesundheitsversorgung und Schulen schlimmer als in mitteleuropäischen Staaten", sagt Stefan Förster vom Bund schwedischer Unternehmen.</P><P>Wie die Sache ausgeht, ist offen. Mit Prognosen hat das Land ohnehin schlechte Erfahrungen gemacht: Bei der Entscheidung über den EU-Beitritt 1994 lagen die Gegner bis unmittelbar vor dem Urnengang klar in Führung - und unterlagen.<BR></P>

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