Euro über 1,30 Dollar: Schon ein Anlauf auf neue Rekordstände?

- Es kam nur scheinbar wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Punkt neun Uhr mit Beginn des Handels in Europa schoss der Euro am Freitag über die Marke von 1,30 nach oben ­ von 1,2905 auf 1,3075. Das ist ein Prozent und damit kein besonders großer Ausschlag. Doch viele Experten sehen die Gemeinschaftswährung vor einem Höhenflug auf neue Rekorde.

Der bisherige Höchststand von 1,3657 wurde im Dezember 2004 erreicht. Dann ging es zaghaft wieder abwärts. Doch eines hat sich signifikant gewandelt. Damals unkten Experten: Nicht der Euro sei stark, sondern der Dollar schwach.

Nun mehren sich die Anzeichen dafür, dass trotz der Krisensymptome in den USA auch die eigene Stärke des Euro eine tragende Rolle spielt. Das zeigte sich gestern an der Reaktion des Ölpreises. Ein billigerer Dollar bedeutet bisher für die Euro-Länder auch billigeres Öl.

Doch mit dem jüngsten Dollar-Sprung war auch ein signifikanter Anstieg des Ölpreises verbunden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Dollar seine Rolle als einzige Ankerwährung der Welt allmählich einbüßt, während der Euro an Gewicht gewinnt.

An Fundamentaldaten aus Europa, die diese Entwicklung stützen könnten, war eigentlich nur der gestiegene Ifo-Geschäftsklima-Index vom Vortag auf dem Markt. Da dieser am amerikanischen Thanksgiving-Tag veröffentlicht wurde, reagierten die US-Investoren erst mit Verzögerung. Doch zeigt sich an dieser Reaktion, dass global das Vertrauen in die wiedererstarkende deutsche Wirtschaft steigt ­ und dies den Euro nach oben treibt.

Die Schattenseite: Waren aus dem Euroraum werden in den USA teurer, und das schwächt die Exportwirtschaft im Euroraum. Das erklärt auch die negativen Reaktionen an den Börsen.

Denn die Krisensymptome in den USA schlagen sich nun dort auch im Konsum nieder. Der gestrige "Schwarze Freitag" (der Tag nach Thanksgiving heißt so, weil an diesem Tag -­ der den Beginn des Weihnachtsgeschäfts in den USA markiert -­ traditionell viele Geschäfte die schwarzen Zahlen fürs laufende Geschäftsjahr erreichen) war gekennzeichnet von gewaltigen Rabattschlachten der großen Einkaufsketten, die fürchten, ihre Waren nicht mehr loszuwerden.

Das könnte auch ein Vorzeichen für eine Zinswende in den USA sein. Denn während die EZB wohl auf weitere Zinserhöhungen setzt, um die Inflationsrisiken, die mit der gut laufenden Konjunktur einhergehen, zu dämpfen, könnte die US-Notenbank auf billigeres Geld setzen, um die Krise abzudämpfen. Auch das treibt die internationalen Finanzströme nach Osten über den Atlantik.

"Der Zinsvorteil des US-Dollar schmilzt", sagt FX-Direkt-Bank-Experte Daniel Kühn. Er sieht nach dem Kurssprung des Euro bereits die Ende 2004 erreichte alte Höchstmarke von 1,3657 Dollar wieder in Reichweite. Nur eine vorübergehende technische Erholung sieht dagegen Theodor Schonebeck (Deutsche Bank). "Das ist nicht der Auftakt für eine ausgesprochene Dollarschwäche", widerspricht er.

Mit Material von dpa

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