Der Euro verliert sein Übergewicht: Aber der Jojo-Effekt droht

- New York - Der Euro verliert sein Übergewicht. Der Dollar hat in der vergangenen Woche gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um 3,5 Prozent zugelegt. Das war der stärkste wöchentliche Kursanstieg des "Greenback" seit mehr als zwei Jahren. Der japanische Yen hat sich ebenfalls deutlich gegenüber dem Euro gefestigt. Für die deutsche Exportwirtschaft ist das eine gute Nachricht - wenn sich die Entwicklung nicht bald wieder umdreht.

<P>Der Euro ist seit dem Spitzenwert von 1,1933 Dollar am 27. Mai um knapp neun Prozent gefallen. Der Euro notierte zum Wochenschluss in New York mit 1,0876 Dollar. Jetzt erwarten einige Devisenmarkt-Gurus einen weiteren Rückgang auf 1,05 Dollar. Die Euro-Schwäche ist auf die Konjunkturbelebung in den USA und in Japan sowie auf die schwache Wirtschaft in Europa zurückzuführen. Hinzu kommen der Höhenflug der Wall Street seit dem Frühjahr sowie höhere langfristige US-Zinsen, die Dollar-Anlagen attraktiver machen.</P><P>Für exportorientierte deutsche und andere europäische Firmen ist der jüngste Dollar-Höhenflug eine willkommene Nachricht, da er ihre Ausfuhren gegenüber einer Reihe von Auslandskonkurrenten verbilligt. Die US-Firmen, die von dem schwachen Dollar profitiert hatten, müssen jetzt mit wechselkursbedingten Gewinnbelastungen rechnen.</P><P>30 von der Federal Reserve Bank in Philadelphia befragte US-Wirtschaftsweise gehen von einem auf Jahresrate hochgerechneten Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent im laufenden Quartal aus. Für das Gesamtjahr 2003 rechnen sie nach schwachem Start mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte die US-Wirtschaft sogar um 3,7 Prozent zulegen. Die Inflation dürfte in diesem Jahr mit 1,8 Prozent bescheiden und die durchschnittliche Arbeitslosenrate mit 6,1 Prozent hoch bleiben.</P><P>Die US-Verbraucher treiben die Wirtschaft mit ihren Einkäufen weiter an. Die Unternehmen haben begonnen, etwas stärker zu investieren. Der Bau- und Immobilienmarkt läuft nach wie vor auf Hochtouren. Die Industrieproduktion steigt.</P><P>Die amerikanische Notenbank will die Leitzinsen niedrig halten. Allerdings sind die langfristigen US-Zinsen wegen der Konjunkturbelebung in den vergangenen Wochen um eineinhalb Prozentpunkte in die Höhe geschossen. "Der Sommerspurt ist genau das, was die US-Wirtschaft benötigt", schrieb das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week".</P><P>US-Leistungsbilanzdefizit spricht für stärkeren Euro</P><P>Die "New York Times" ist allerdings skeptisch, dass die Dollar-Erholung Bestandm haben wird. Sie führte Prognosen an, die innerhalb der kommenden zwölf Monate von einem Anstieg des Euro auf 1,15 Dollar bis 1,40 Dollar ausgehen. Der Hauptgrund für die Erwartungen eines Euro-Anstiegs sei das wachsende Leistungsbilanzdefizit der USA. Es ist in den vergangenen zwölf Monaten auf ein Rekordniveau von 510 Milliarden Dollar gestiegen und schwillt weiter an.</P><P>Es erfordert zu seiner Finanzierung entsprechende Kapitalzufuhren von außerhalb der USA. "Sollten sich die Zuflüsse aus dem Ausland verlangsamen oder das Defizit weiter zulegen, wird sich der Dollar abschwächen", argumentierte die Zeitung. Die Zinsen müssten steigen, um Fremdkapital anzulocken.</P>

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