Euro-Hoch: Beim Rekordwert ist noch lange nicht Schluss

- München - Der Euro ist mehr wert als je zuvor. Die europäische Gemeinschaftswährung überwand gestern ihren bisherigen Höchstkurs bei 1,1884 Dollar und nahm erstmals in ihrer Geschichte die 1,19. Volkswirte befürchten, dass der starke Euro das magere Wirtschaftswachstum in Deutschland auffrisst. Auch die Sparer blicken harten Zeiten entgegen. Die Zinsen sanken auf historische Tiefstände. Am Anleihemarkt kam es zum Rendite-Rutsch.

<P>1,1933 Dollar wurden zwischenzeitlich für einen Euro gezahlt. Devisenspezialisten kündigten den Durchmarsch auf über 1,20 an. Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski sieht darin eine besorgniserregende Entwicklung. "Jeder Cent, der über eins zu eins liegt, verstärkt meine Magenschmerzen", sagte er. Wer heute in die USA fährt, kann mit seinem Euro fast ein Drittel mehr einkaufen als noch vor einem Jahr. Für Amerikaner, die nach Europa kommen, gilt der umgekehrte Effekt. Deutsche Produkte werden durch den höheren Währungskurs außerhalb des Euro-Raums teurer. Die Folge dürften Auftragsverluste und Gewinneinbußen der Unternehmen sein.</P><P>Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird wegen des Euro-Höhenflugs nach Einschätzung von Volkswirten 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Das geht aus einer Umfrage des Anlegermagazins "Börse Online" bei 32 Banken hervor. Zieht man diesen Wert von der ursprünglichen Wachstumsprognose von 0,5 Prozent ab, bleibt fast keine positive Entwicklung mehr übrig.</P><P>Das verstärkt den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen zu senken. Niedrigere Zinsen erleichtern es Unternehmen, Kredite aufzunehmen, um zu investieren und so für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Experten erwarten eine Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche um 0,5 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. Diese wurde an den Anleihemärkten schon vorweggenommen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank gestern auf unter 3,6 Prozent - einer der niedrigsten Werte der vergangenen Jahrzehnte. Davon profitieren Hausbauer und andere Kreditnehmer, die sich billig Geld leihen können. Sparer schauen dagegen in die Röhre. Sie erhalten nur geringe Zinsen auf ihre angelegten Gelder.</P><P>Ein Ende dieser Entwicklung ist nach Einschätzung von Michael Rottmann von der HypoVereinsbank nicht abzusehen: "Bis zum Ende dieses Quartals erwarten wir Renditen der 10-jährigen Papiere bei 3 bis 3,2 Prozent." Schon am Wochenende könnte es weiteren Aufwind für den Euro geben. Dann findet eine Tagung der G-8-Staaten statt, bei der üblicherweise auch die Währungssituation kommentiert wird. "Trifft man dabei eine neutrale Aussage zum Euro-Dollar-Verhältnis, könnte das einen Schub über 1,21 hinaus geben", sagt Rottmann. Die Experten der HypoVereinsbank gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt: <BR>"Auf Sicht von zwölf Monaten kann der Euro in Richtung 1,30 Dollar gehen." Entsprechend wird die EZB weitere Zinsschritte setzen. </P><P>Rottmann erwartet eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte im dritten Quartal und eine weitere in dieser Höhe Anfang 2004. Dann liegen die Zinsen mit 1,5 Prozent nahe dem jetzigen amerikanischen Niveau. Dort sind sie so niedrig wie seit 40 Jahren nicht mehr.<BR><BR></P>

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