Euro-Hoch: "Mancher muss US-Geschäfte bald einstellen"

- Frankfurt - Für die deutsche Wirtschaft ist nach den hohen Ölpreisen ein neues Schreckgespenst wieder auferstanden: der starke Euro. Unaufhaltsam steigt die europäische Gemeinschaftswährung und kratzte gestern an der magischen Schwelle von 1,30 Dollar. "Der hohe Kurs ist Gift für die Konjunktur", sagt der Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding. "Die Aufwertung des Euro im Februar und zurzeit wird die deutsche Wirtschaft 2004 rund 0,25 Prozentpunkte Wachstum kosten", lautet seine Prognose. Bei einem erwarteten Konjunkturwachstum von rund 1,8 Prozent ist das eine ganze Menge.

<P>Ein schwacher Dollar verteuert die Exporte in den Dollarraum und dämpft die Nachfrage. Nach Expertenansicht erhöht sich nun die Gefahr, dass Deutschland zurück in die Rezession fällt. Denn der Aufschwung des Exportweltmeisters Deutschland speist sich derzeit fast ausschließlich aus dem Außenhandel. "Wenn die Exporte als unsere einzige Stütze auch noch wegfallen, dann kriegen wir ein Nullwachstum", warnt Volkswirt Stefan Bergheim von der Deutschen Bank. Die Bevölkerung sei durch Reformdebatten und Arbeitsplatzangst verunsichert und konsumiere zu wenig - aus dem Inland kommen keine Impulse.<BR><BR>Die deutschen Exportunternehmen stehen unter starkem Druck. Im laufenden Jahr haben sie sich mit kräftigen Lohnsenkungen zwar zusätzlich etwas Spielraum verschafft. Aber Firmen, die sich erst jetzt gegen Wechselkursrisiken absichern, kommen nach Ansicht der Volkswirte zu spät. Wenn der Euro wie erwartet weiter steigen werde, sei die Schmerzgrenze spätestens bei 1,40 Dollar erreicht. "Jeder zusätzliche Cent tut weh. Manche Unternehmen werden sich davon verabschieden müssen, in den USA weiter Geschäfte zu machen", lautet das Fazit der Deutschen Bank.<BR><BR>Eine Lösung des Devisen-Dilemmas könne angesichts der amerikanischen Untätigkeit nur in Europa erreicht werden, glauben Experten. "Man muss an der Wurzel ansetzen, und das heißt, mehr Wachstum in Europa schaffen", sagt Chefvolkswirt Heise. "Es ist Sache der EU-Regierungen, mit einer restriktiven Fiskalpolitik Steuern zu senken, zugleich den Arbeitsmarkt zu stärken und Investitionen zu fördern." Deutsche Firmen und der Standort Deutschland müssten ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern, fordert die Bank of America.<BR></P><P><BR> </P>

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