Eurokrise: IWF schlägt Alarm

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der europäischen Schuldenkrise das größte Risiko für die Weltwirtschaft.

Die Lösung der Krise habe die „allerhöchste Priorität“, mehr Maßnahmen seien nötig, um eine weitere Eskalation zu verhindern, warnte der IWF am Montag. Seinen globalen Wirtschaftsausblick korrigierte er angesichts der Probleme in der Eurozone und einer Konjunkturschwäche in Schwellenländern nach unten.

„Das Hauptrisiko liegt auf der Hand, dass die Teufelskreise in Spanien und Italien stärker werden,...dass eines dieser Länder finanziellen Zugang zu den Märkten verliert“, sagte Chefökonom Oliver Blanchard. „Die Auswirkungen könnten leicht die Weltwirtschaftserholung zum Entgleisen bringen.“

Deutschland kommt jedoch vergleichsweise gut davon: Der IWF sagt für dieses Jahr jetzt ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus - das sind 0,4 Punkte mehr als in der vorausgegangenen Schätzung vom April. 2013 sollen es dann 1,4 Prozent und damit 0,1 Punkte weniger sein. Düster ist die Prognose für das krisengeschüttelte Spanien: Der IWF sieht es nunmehr auch 2013 in der Rezession.

Weltweit erwartet der Währungsfonds für dieses Jahr jetzt einen Zuwachs von 3,5 Prozent, während im April von 3,6 Prozent die Rede war. Für 2013 sagt der IWF voraus, dass die globale Wirtschaft um 3,9 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte weniger zulegt als im Frühjahr geschätzt.

Eindringlich warnt der IWF davor, die Umsetzung von beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Schuldenkrise zu verzögern oder es bei diesen Maßnahmen bewenden zu lassen. Die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse seien ein Schritt in die richtige Richtung. Sie könnten helfen, den Teufelskreis zwischen Staaten und Banken zu durchbrechen. Die jüngste Verschärfung an vielen europäischen Anleihemärkten zeige aber, dass eine zeitnahe Umsetzung und weitere Schritte in Richtung einer Banken-und Fiskalunion vordinglich seien. „Einfach gesagt, die europäischen Peripherieländer müssen Erfolg haben“, fasste IWF-Chefökonom Blanchard die Lage zusammen.

Für die Eurozone insgesamt bleibt der Währungsfonds bei seiner Vorhersage, dass das Bruttoinlandsprodukt 2012 um 0,3 Prozent schrumpft. 2013 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, ein Minus von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zur April-Prognose.

Spaniens Wirtschaft wird nach den IWF-Erwartungen 2013 um 0,6 Prozent schrumpfen. In seiner Prognose im April war der Fonds noch von einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ausgegangen. In diesem Jahr erwartet der IWF einen Rückgang des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent. Das ist im Vergleich zur April-Prognose eine leichte Verbesserung um 0,4 Prozentpunkte.

Risiken sieht der IWF auch für die weltgrößte Volkswirtschaft USA. Hier werden zum Jahresende wichtige Steuererleichterungen auslaufen und 2013 massive Sparmaßnahmen querbeet durch den Haushalt beginnen, wenn sich der Kongress nicht handelt. Der IWF warnt vor einer drohenden starken fiskalischen Bremswirkung und konjunkturellen Belastung, die auch auf die Weltwirtschaft ausstrahlen würde. Für dieses Jahr wird ein Wachstum von 2,0 vorausgesagt, für das kommende Jahr von 2,3 Prozent. Das ist jeweils 0,1 Punkt weniger als zuvor geschätzt.

Bei den Schwellen- und Entwicklungsländern erwartet der IWF eine Verlangsamung des Wachstumstempos: 5,6 Prozent 2012 und 5,9 Prozent 2013, eine Korrektur um 0,1 beziehungsweise 0,2 Punkte nach unten. In China sieht der Fonds eine Abkühlung auf ein achtprozentiges Wachstum 2012 voraus, für 2013 prognostiziert er einen Zuwachs von 8,5 Prozent. Noch stärker veranschlagt der IWF die Abschwächung in Indien, für das Wachstumsraten von nur gut sechs Prozent erwartet werden.

dpa

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