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Deutschland muss 40 Prozent zukaufen: Der Großteil der Eier kommt aus Holland.

Europa auf Eier-Suche

Bonn - Europa steckt in der Eier-Krise. Das Angebot hat sich reduziert, der Preis verdoppelt. Noch spürt der Verbraucher davon nichts. Doch Nudeln, Kuchen & Co. könnten bald teurer werden.

Die deutschen Kinder müssen sich keine Sorgen um ihre Ostereier machen, für die Industrie sieht es anders aus. Auch wenn Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die deutschen Verbraucher beruhigt hat, die um ihre österlichen Rituale fürchteten: Die Lage auf dem europäischen Eier-Markt ist angespannt.

Das Problem spielt sich bisher hinter den Kulissen ab. „Wenn Frau Aigner sagt, die Preise steigen nicht, spricht sie wahrscheinlich von den Verbraucherpreisen“, erklärt Margit Beck, Analystin des Fach-Mediendienstes „Marktinfo Eier & Geflügel“. Der deutsche Verbraucher bekomme derzeit nichts von der Verteuerung mit, weil der Einzelhandel mit seinen Lieferanten langfristige Verträge über die Preise abgeschlossen habe. Wenn die Zehnerpackung Eier im Supermarkt 1,09 Euro kostet, ändere sich daran nichts – auch wenn es auf dem freien Markt brodelt. Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet kam es sogar zu Hamsterkäufen, weil bei unseren Nachbarn die Eier-Preise explodierten.

Ursache für den Engpass ist, dass einige EU-Staaten das europaweite Verbot der konventionellen Käfighaltung immer noch nicht umgesetzt haben. Deutschland hält die Regel seit 2010 ein. Bereits 1999 hatte die EU beschlossen, dass Hühner in Käfighaltung mehr Platz bekommen sollten: 750 statt bisher 550 Quadratzentimeter pro Tier, das entspricht einer dazugewonnenen Fläche von einem Drittel Din-A4-Papier. Außerdem soll es einen Scharrbereich, Sitzstangen, Streu und Nester für die Tiere geben. Die Geflügelbetriebe hatten eigentlich zwölf Jahre Zeit für den Umbau – bis zum 1. Januar 2012. Laut Marktbeobachterin Beck hapert es in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland. Die Eier aus herkömmlichen Käfigen dürfen nicht in andere EU-Staaten exportiert werden.

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Allein Deutschland muss aber bis zu 40 Prozent aus dem Ausland zukaufen, um den hiesigen Bedarf zu decken. „Die meisten Eier werden aus Holland importiert. Dort wurden die Auflagen größtenteils schon umgesetzt“, erklärt Uta Schmidt von der Europäischen Marketing Agentur (EMA), die den Eier- und Geflügelmarkt beobachtet. Das heißt aber nicht, dass Deutschland fein raus ist. Auf dem europäischen Markt gibt es derzeit zehn Prozent weniger Eier als im Vorjahr – in jeder Zehner-Packung fehlt quasi ein Ei. Für den Verbraucher, der einen Kuchen backen möchte, klingt das nicht viel. Doch die Industrie, die zum Beispiel Massen an Nudel- oder Kuchenteig herstellen muss, bekommt die Verknappung zu spüren.

Großhandelspreise erreichten in den vergangenen Wochen Spitzenwerte. 100 braune M-Eier kosteten fast 15 Euro. Zum Vergleich: 2011 waren es 6,10 Euro. Experten weisen zwar darauf hin, dass der Betrag im Vorjahr wegen der Dioxin-Krise „extrem niedrig“ war. Trotzdem sei die Preissteigerung enorm.

Der deutsche Verband der Großbäcker spricht von einer Verdoppelung. „Und wir müssen die teuren Preise tatsächlich zahlen“, sagt der Sprecher Armin Juncker. Im Gegensatz zu Dorfbäckereien könnten die Großbäcker, Juncker spricht von rund einem Dutzend Betroffener, ihre Mitarbeiter nicht „zum Discounter schicken“. Wenn der Eier-Engpass noch länger andauert, könnten Sortimente für eine gewisse Zeit stillgelegt werden, so Juncker. Wenn es weniger Angebot gibt, könnte das Auswirkungen auf den Verbraucher haben. „Dann verändern sich die Preise“, so Juncker.

Wirklich problematisch ist die Lage zum Teil jetzt schon bei Eier-Lieferanten. Gefährdet sind laut Experten Packstellen, die langfristige Verträge mit der Lebensmittelindustrie abgeschlossen haben. Sie müssen die Eier zu festgesetzten Preisen abgeben, aber zu den teuren Preisen auf dem freien Markt zukaufen.

Laut Marktbeobachterin Margit Beck wird sich die Lage so schnell nicht verändern. Die EU habe zwar schon ein Verfahren gegen das gute Dutzend vertragsbrüchiger Länder laufen, die Frage sei aber, ob überhaupt finanzielle Mittel zur Umsetzung vorhanden sind – in Griechenland, Portugal oder Spanien.

Verbraucherschützer weisen in Deutschland derweil auf ein anderes Problem hin: Auch nach dem EU-Verbot werden noch Eier aus Käfighaltung im Umlauf sein – in verarbeiteter Form, denn da greift das Export-Verbot nicht. „Wer Nudeln oder Kuchen mit Ei oder bunte Ostereier kauft, kann meist nicht erkennen, ob die Ware aus einer tierschutzgerechten Produktion stammt“, erläutert Susanne Moritz von der Verbraucherzentrale Bayern. Sie fordert einen einheitlichen Pflicht-Hinweis, woher die Eier kommen.

Von Kathrin Garbe

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