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Das Automated Transfer-Vehicle (ATV) – hier Arbeiten am Triebwerk in Bremen – wird zur europäischen Erfolgsgeschichte. Die NASA will die Technologie des Versorgungsschiffs für ihr künftiges Raumschiff Orion. Foto: dapd

Sparzwang auch für die Raumfahrt

Europa gibt die Mondlandung auf

Neapel - Die europäischen Länder wollen auch an der Raumfahrt sparen. Dass die Politik der ESA dabei weniger zumutet, als zu befürchten war, gilt schon als großer Erfolg.

Zwei Tage lang hatten Europas Raumfahrtminister auf ihrer Tagung in Neapel Zeit, um über die Zukunft der Raumfahrt zu entscheiden. Was dabei herauskam, darüber kann man streiten. Von einem „großem Erfolg“ sprach Jean-Jacques Dordain, der Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur ESA, „vor allem „angesichts der wirtschaftlichen Lage“. Immerhin 10 Milliarden Euro machen die Staaten für ESA-Projekte locker. Es sei mittlerweile unumstritten, dass „Ausgaben für die Raumfahrt Investitionen in die Wirtschaft sind“, sagte Dordain.

Weniger Erfolg hatte angesichts der Sparzwänge ein deutsches Lieblingsprojekt, das nun aufgegeben wurde: „Lunar Lander“, eine unbemannte Mission zum bislang unerforschten Südpol des Mondes. Dabei wäre Deutschland – das mittlerweile ehrgeizigste ESA-Mitglied – bereit gewesen, 45 Prozent der 500 Millionen Euro für die Mission zu tragen. Doch die 19 Partnerländer der ESA (neu dabei: Bulgarien und Polen) brachten die fehlenden 275 Millionen Euro nicht zusammen. Das ist keine Überraschung: Vor allem die wichtigen Raumfahrtnationen Italien und Frankreich haben zur Zeit andere Sorgen. Und eine Mondmission dient vor allem Forschungszwecken. Einen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen sehen selbst die Befürworter nicht.

Dagegen wird bei den Trägerraketen kaum gespart und sogar zweigleisig gefahren. Es soll sowohl die Europarakete Ariane 5 weiterentwickelt, als auch eine ganz neue Ariane 6 auf den Weg gebracht werden. Damit wurde ein deutsch-französischer Streit beigelegt.

Deutschland wollte die bewährte Ariane 5 weiterentwickeln, die bei gleichen Kosten statt knapp zehn rund zwölf Tonnen Nutzlast transportieren konnte.

Frankreich setzte auf eine vollkommen neue, kleinere und deutlich billigere Ariane 6 mit bis zu sechs Tonnen Nutzlast. Sie soll die erste Europa-Rakete sein, die auch mit nur einem Satelliten starten kann. Damit ist sie flexibler einsetzbar als die Ariane 5.

Ein Hintergrund des Streits ist, dass bei der Weiterentwicklung der Ariane 5 überwiegend deutsche Unternehmen am Zug sind, die Ariane 6 dagegen in Frankreich konstruiert wird und nur dort Jobs schafft. Nun wurde beschlossen, auch bei der neuen Rakete die deutsche Industrie stärker einzubinden.

Keine Rolle mehr spielte bei der Konferenz eine eigenständige bemannte europäische Raumfahrt. Noch 2009 hatte der europäische Weltraumrat beschlossen, das Automated Transfer Vehicle (ATV) in mehreren Schritten zum vollwertigen Raumschiff weiterzuentwickeln. Das ATV versorgt und stabilisiert derzeit die Raumstation ISS und gilt als derzeit modernstes Raumfahrzeug der Welt. Auch die Ariane 5 ist bereits für bemannte Missionen entwickelt worden.

Doch mittlerweile hat Europa diese ehrgeizigen Pläne aufgegeben und geht eine Zusammenarbeit mit der NASA ein. Die US-Raumfahrtorganisation sieht sich derzeit nicht in der Lage, selbst ein Servicemodul für das künftige Raumschiff Orion zu entwickeln und hat Europa um Hilfe gebeten. Sie ist damit erstmals bereit, einem internationalen Partner eine wesentliche Beteiligung an einem NASA-Projekt zuzugestehen.

Die Chance, mit den Amerikanern auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, ergriffen die Minister in Neapel. Orion soll nicht nur die ISS anfliegen, es soll auch zu Missionen in entferntere Weltraumregionen aufbrechen können.

Die Aufwertung nährt das Selbstbewusstsein der europäischen Raumfahrtagentur. „Ich hätte gern das Geld, das die NASA hat“, sagte Generaldirektor Dordain. „Mit ihren Erfolgen wäre ich aber nicht zufrieden.“

Martin Prem

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