Europa-Tag nach Nationen getrennt

Airbus-Demonstrationen: - Paris - "Wo geht's denn zur Demo?" fragt Danny de Wyngaert. Der Belgier ist zusammen mit 50 Kollegen vom Airbus-Zulieferer Sabca aus Charleroi nach Paris gekommen, um vor der EADS-Zentrale gegen den Sanierungsplan "Power 8" zu protestieren. Doch was vom Gewerkschaftsbund EMB als "Massendemonstration" angekündigt war, blieb eine triste Veranstaltung von kaum mehr als hundert Gewerkschaftern - die 50 Belgier mitgezählt.

"Wir sind bitter enttäuscht", sagt Wyngaert. "Es sieht so aus, als würde wieder nur jeder für sich kämpfen." Die großen Aktionen beim europaweiten Aktionstag blieben national.  Rund 25 000 Menschen beteiligten sich laut IG Metall in Deutschland an Kundgebungen. In den Werken ruhte die Arbeit - auch in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Beim Airbus-Sitz in Toulouse machten 7000 Menschen ihrem Ärger Luft. Die erbitterte Konkurrenz der Airbus-Partner, die die Führung des Unternehmens lähmt, zeigt sich auch im Kampf um Arbeitsplätze.

Das Misstrauen sitzt tief. Nach einem Bericht von "Libération" brachte der französische Gewerkschaftsverband CFE-CGC vor mehreren Tagen in Toulouse ein Flugblatt in Umlauf. "Wer ist verantwortlich für die Verzögerungen beim A380? Diejenigen, die nun den Zuschlag für den A320 bekommen." Ein Frontalangriff gegen Hamburg, wo die komplizierte Verkabelung des Superjumbos A380 Probleme bereitete und wo der Bestseller A320 künftig hauptsächlich produziert werden soll.

Doch einige verschlossen vor der nationalen Rivalität die Augen: "Heute ist der erste Tag, an dem alle zusammen protestieren", rief EMB-Chef Scherrer am Freitag dem Gewerkschafterhäuflein vor der neunstöckigen EADS-Zentrale in Paris zu. "Die Arbeiter sind nicht mehr isoliert an ihren Standorten."

"Das ist doch lächerlich", sagt Paul Frisson, Angestellter eines Airbus-Zulieferers in Vélizy bei Paris. Er steht während Scherrers Rede hinter einem Übertragungswagen und raucht. "25 Jahre arbeite ich für Airbus", sagt der 50-Jährige. Der Blick ist müde. "Heute haben wir hier nichts bewirkt, damit ich meine Arbeit behalten kann."

Auf eine Wirkung hofften dagegen die Demonstranten an den großen Airbus-Standorten: "Die haben den Karren in den Dreck gefahren", kritisierte IG Metall-Chef Jürgen Peters in Hamburg das Mangement. "Die einen machen die Fehler und die Beschäftigten sollen dafür zahlen." Das Sanierungskonzept "Power 8" sei einfallslos. Er forderte, den Verbund zu sichern und die Standorte zu erhalten. Ein Verkauf von Werken löse die Probleme nicht. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Baden-Württemberg, Christian Wulff und Günther Oettinger forderten Nachbesserungen: Er glaube, dass das Konzept Fehler beinhaltet, sagte Wulff.

Auch in Toulouse protestierten tausende Airbus-Mitarbeiter gegen den Sanierungsplan. Die Beschäftigten waren von mehreren französischen Standorten gekommen, um Verhandlungen zu erzwingen. Für den Fall, dass Airbus keine Zugeständnisse mache, drohte der französischer Co-Präsident des Airbus-Betriebsrats, Jean-François Knepper, mit " härteren Initiativen". Beschäftigten am Airbus-Standort Puerto Real in Spanien legten ebenfalls ihre Arbeit nieder.

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