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Drohnen sind bei der Bundeswehr bereits im Einsatz. Doch nur kleinere unbemannte Flugzeuge werden auch in Deutschland hergestellt. Die Heron 1 auf unserem Foto kommt aus Israel.

Luftfahrt

Europäische Drohne in der Warteschleife

München - Drei Giganten der europäischen Luftfahrt-Industrie wollen gemeinsam ein unbemanntes Flugzeug entwickeln. Doch die Politik lässt sich mit einer Entscheidung Zeit.

Seit Jahren kämpft die europäische Luftfahrtindustrie um die Zukunft ihres militärischen Zweigs. Jetzt haben sich Airbus Defence (DS) and Space, dessen französischer Konkurrent Dassault und Alenia Aermacchi (Italien) zusammengetan, um gemeinsam mit der Politik eine Aufklärungsdrohne für mittlere Flughöhe und lange Flugdauer (MALE) zu entwickeln. Damit wollen die Europäer, mit amerikanischen und israelische Konkurrenten mithalten, die bislang auf diesem Gebiet führend sind. Die Politik reagierte gestern zurückhaltend auf diesen Vorschlag. „Es gibt zur Zeit keinen Entscheidungsdruck“, sagte Verteidigungsministern Ursula von der Leyen und verwies auf den Koalitionsvertrag, der eine parlamentarische Debatte im Sommer über das Thema vorsieht.

Damit widerspricht sie ausdrücklich Airbus-Chef Tom Enders, der bereits 2013 auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget vor den Folgen einer abwartenden Haltung gewarnt hatte. „Je länger es dauert, desto dominanter werden die Amerikaner auf dem Markt werden“, sagte er. „Desto schwieriger wird es, aufzuholen.“

Neben Airbus DS ist auch dessen italienischer Eurofighter-Partner Alenia Aermacchi an Bord. Dagegen fehlt British Aerospace (BAe), beim Eurofighter der Dritte im Bund. Mit dabei ist dafür Dassault (Frankreich), wo man mit der Rafale den wichtigsten Eurofighter-Konkurrenten baut. Die Franzosen fahren damit zweigleisig. Sie arbeiten auch gemeinsam mit BAe an einem Kampfdrohnenprojekt.

Dabei ist die Unterscheidung nicht so ganz klar: Denn auch Aufklärungsdrohnen werden immer wieder für bewaffnete Einsätze ausgerüstet. Umgekehrt brauchen auch Kampfdrohnen Aufklärungs-Fähigkeiten. Bei Aufklärungsdrohnen kommte es aber in erster Linie darauf an, dass Sie möglichst lange in der Luft bleiben können. Von Kampfdrohnen werden vor allem extreme Manövrierfähigkeiten erwartet. Dabei wirken Kräfte, die ein Mensch im Cockpit nicht aushalten kann. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass Kampfdrohnen bisherigen Kampfflugzeugen haushoch überlegen sind. Zwischen beiden Arten von Drohnen gibt es einen weiten Überschneidungsbereich.

Das allerdings ist noch Zukunftsmusik. Denn die Frage der Kampfdrohnen stellt sich erst in einigen Jahrzehnten, wenn Eurofighter und andere aktuelle Kampfflugzeuge ausgemustert werden. Aufklärungsdrohnen werden aber bereits gebraucht. Drohnen der MALE-Größenordnung gibt es aus Europa nicht. Sie müssen aus Israel oder den USA importiert werden. Die Käufer müssen dafür zahlen, bekommen aber keinen Zugriff auf deren Technik. So droht Europas Industrie den Anschluss zu verlieren, weil derzeit auch notwendige Entwicklungsprojekte nicht in Sicht sind. Die Entwicklung von Drohnen ist vor allem für den Airbus-Standort Manching wichtig, in dem massiv Stellen abgebaut werden. Langfristig hat Manching nur eine Perspektive, wenn es ein Nachfolgeprojekt für den Eurofighter gibt. Und das kann nach allgemeiner Einschätzung nur eine Drohne sein.

Die gestrige Abfuhr von Ursula von der Leyen ist für die Industrie ein Rückschlag. Denn es ging noch gar nicht um ein konkretes Projekt, das viel Geld verschlingt. Zunächst will das europäische Industrie-Trio, dass die einzelnen Länder und die Streitkräfte ihre Anforderungen an ein Entwicklungsprogramm definieren und koordinieren. Damit will man eine der Schwächen bisheriger europäischer Projekte im Ansatz vermeiden. Beim Militärtransporter A400M oder dem Kampfhubschrauber Tiger hatte jedes Land eine Reihe von Sonderwünschen, deren Umsetzung bei der Entwicklung viel Zeit und Geld kostete, weshalb die nationalen Extras als Mit-Ursache für Verzögerungen und Kostenexplosionen gelten.

Jetzt will die Industrie erst wissen, was genau gewünscht wird, „um kostspielige Zusatzentwicklungen während der späteren Produktionszeit zu vermeiden und Entwicklungs- und Finanzrisiken auf ein Minimum zu begrenzen.“

Martin Prem

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