Nach Blockade im Suezkanal 

Ever Given: Drama um Containerschiff spitzt sich zu – Suezkanal-Behörde erhöht Druck auf Reederei

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Die Blockade des Suezkanals durch die „Ever Given“ hat ein Nachspiel. Das Container-Schiff liegt erneut fest. Die Besatzung darf nicht von Bord.

Update vom 28. April, 10.54 Uhr - Im Streit um Schadenersatz-Forderungen gegen den Eigentümer des Container-Schiffs Ever Given erhöht Ägypten den Druck. Der Chef des Suezkanal-Behörde (SCA), Admiral Osama Mounier Mohamed Rabie erklärte laut dem Internet-Portal BI, es stehe den Besatzungsmitgliedern zwar frei, das Schiff zu verlassen. Es müssten aber „genügend Seeleute an Bord sein, um das Schiff zu sichern“, heißt es in einer jetzt bekannt gewordenen Erklärung vom Montag.

Zugleich wies Rabie Anschuldigungen zurück, man habe die Schiffsbesatzung de facto festgesetzt. Entsprechende Darstellungen seien „nicht wahr“. Klar ist aber: Der Kapitän darf nicht von Bord, da er nach Seerecht für das Riesen-Schiff die Verantwortung trägt.

Experten sehen die Entwicklung um den Container-Riesen hingegen mit Sorge. Die Frage nach der Anzahl der nötigen Besatzungsmitglieder sei „eine Grauzone“, erklärte Professor Rockford Weitz von der Tufts University gegenüber Business Insider. „Man könnte argumentieren, dass ein festgehaltenes Schiff erst dann eine volle Besatzung benötigt, wenn es wieder in Betrieb ist“, sagte er. Doch könnte die Forderung der ägyptischen Behörden nach einer Mindestpersonalstärke an Bord auch eine Verhandlungsstrategie sein, „um die Besatzungskosten während der laufenden Verhandlungen hoch zu halten“ und die Reederei zu einer Einigung zu bewegen.

Ever Given: Suezkanal-Behörde erhöht Druck auf Reederei - riesige Schadensersatz-Zahlung gefordert

Ägypten verlangt wegen der wochenlangen Blockade des Suezkanals durch die Ever Given sowie hohe Bergungskosten des Schiffs 916 Millionen Dollar und hat das Container-Schiff im Großen Bittersee zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer festgesetzt.

Der japanische Schiffseigentümer Shoei Kisen Kaisha will hingegen nur 100 Millionen Dollar zahlen. Allerdings dürfte der wirtschaftliche Druck auf Shoei rasch steigen. Neben den möglichen Finanzierungskosten dürfte dem Unternehmen auch die ausbleibenden Transport-Gebühren zusetzen.

Ever Given: Container-Schiff steckt samt Besatzung erneut fest - weil Behörde noch eine Rechnung offen hat

Erstmeldung vom 26. April, 12.58 Uhr - Die „Ever Given“ steckt ein zweites Mal im Suezkanal fest. Doch diesmal ist der Grund nicht eine weitere Havarie, sondern ein Streit ums Geld. Ägypten verlangt von den Eigentümern des Containerschiffs eine Entschädigung in Höhe von 916 Millionen Dollar. Die Suezkanalbehörde macht entgangene Einnahmen aus den Kanalgebühren in Höhe von täglich zwölf bis 15 Millionen Dollar geltend. Hinzu kommen die Unterhaltskosten und Kosten für die sechs Tage andauernden Arbeiten, um das Schiff freizuschleppen.

Dem Eigner der „Ever Given“ ist das zu viel. Das japanische Unternehmen Shoei Kisen Kaisha will laut der Nachrichtenagentur Reuters nur 100 Millionen Dollar zahlen. Der Eigentümer sowie der britische Versicherer UK P&I begründen das Angebot damit, dass bei dem Unfall im Suezkanal niemand verletzt und die Umgebung nicht verschmutzt worden ist.

Blockade des Suezkanals: Streit um Entschädigung landet vor Gericht

Die angebotene Summe wiederum ist Ägypten zu wenig. Als Faustpfand wurde das Containerschiff festgesetzt. Es liegt inklusive der Besatzung von 25 Mann seit dem 29. März im Großen Bittersee zwischen Rotem Meer und Mittelmeer und darf die Fahrt nicht fortsetzen. Laut der Kanalbehörde bleibt das Schiff solange beschlagnahmt, bis die verlangte Summe bezahlt ist.

Seit dem 29. März wird die „Ever Given“ im Suezkanal als Pfand festgehalten

Da es bisher zu keiner Einigung über eine Ausgleichssumme gekommen ist, will Shoei Kisen Kaisha vor Gericht ziehen. Der Fall soll am 4. Mai verhandelt werden. Wie lange die Verhandlung dauert, kann niemand sagen, es können auch Wochen sein. Bis dahin müssen Schiff und Besatzung auf eine Weiterfahrt warten.

Blockade des Suezkanals: Anderes Schiff hängt seit vier Jahren fest

Die Seeleute können nur hoffen, dass es ihnen nicht wie der „MV Aman“ ergeht. Laut BBC wurde das Schiff im Mai 2017 festgesetzt, da die Kanalbehörde die Sicherheitsausrüstung bemängelte und eine Treibstoffrechnung nicht bezahlt werden konnte. Ein Besatzungsmitglied, der Syrer Mohammed Aisha, wurde von einem Gericht zum Verantwortlichen des Schiffes bestellt. Er durfte nicht von Bord gehen, bis das Schiff verkauft ist oder eine andere Person seinen Posten übernimmt.

Aisha konnte das Schiff erst am 22. April 2021 verlassen, als die Internationale Transportarbeiter-Gewerkschaft (ITF) die Verantwortung für die „MV Aman“ übernahm. Die vier Jahre an Bord des Schiffes dürften die längsten seines Lebens gewesen sein.

Blockade des Suezkanals: Geschätzter Schaden von sechs bis zehn Milliarden Dollar

Die Ever Given war am 23. März im Suezkanal aus noch unbekannten Gründen auf Grund gelaufen und blockierte sechs Tage lang die wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa. Rund 400 Schiffe mussten wegen der Blockade auf Durchfahrt warten. Erst am 29. März gelang es, das Schiff wieder flott zu machen. Laut Allianz-Versicherung verursachte der Unfall weltweit Kosten von sechs bis zehn Milliarden Dollar.

Rubriklistenbild: © Wang Dongzhen via www.imago-images.de

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