Nach Blockade der Wasserstraße

Ever-Given-Drama: Ägypten fährt jetzt schweres Gerät auf

  • Thomas Schmidtutz
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Die tagelange Blockade des Suez-Kanals durch die „Ever Given“ hat Ägypten hart getroffen. Jetzt leitet das Land Gegenmaßnahmen ein.

Update vom 17. Mai, 14.10 Uhr - Ägypten zieht weitere Konsequenzen aus der Blockade des Suez-Kanals durch den Container-Riesen Ever Given. Die staatliche Suez Kanal Behörde (SCA) will einen zusätzlichen Teilabschnitt der Wasserstraße zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer für den Schiffsverkehr in beide Richtungen ausbauen. Danach soll ein 2015 eröffneter zweispuriger Abschnitt um zehn Kilometer auf 82 Kilometer verlängert werden. Zudem soll das Süd-Ende des Kanals für den zweispurigen Schiffsverkehr ausgebaut und entsprechend vertieft werden. Erst Ende vergangener Woche hatte die SCA die Ankunft der Mohab Mamish gemeldet. Der schwimmende Riesen-Bagger hat die Arbeiten offenbar bereits aufgenommen.

Unterdessen liegt die Ever Given weiterhin im Bitter See fest. Die ägyptischen Behörden hatten das Containerschiff der japanischen Reederei Shoei Kisen vor Wochenfrist beschlagnahmt, um ihren Schadenersatz-Forderungen Nachdruck zu verleihen (siehe unten). Berichten zufolge soll das Land die Ansprüche

Ever-Given-Drama: Ägypten greift zu radikalem Schritt – „Sie wollen nichts bezahlen“ 

Erstmeldung vom 12. Mai, 11.00 Uhr – Im Streit um Schadenersatzansprüche gegen den Eigentümer des Containerschiffs Ever Given greift Ägypten jetzt zu drastischen Maßnahmen. Das Containerschiff dürfe das Land nicht verlassen, bis die Schadenersatzansprüche mit dem japanischen Eigentümer Shoei Kisen Kaisha geklärt seien, sagte der Leiter der Suez-Kanalverwaltung, Generalleutnant Osama Rabie. „Das Schiff ist jetzt offiziell beschlagnahmt“, sagte er am späten Montag im staatlichen ägyptischen Fernsehen. „Sie wollen nichts bezahlen.“

Ever Given: Ägypten pocht auf millionenschweren Schadenersatz

Ägypten hatten wegen der wochenlangen Blockade des Suezkanals durch die Ever Given sowie hohe Bergungskosten Schadenersatz von 916 Millionen Dollar gefordert und das Containerschiff im Großen Bittersee zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer festgesetzt.

Zur Begründung verwies die Suezkanalbehörde auf entgangene Einnahmen aus den Kanalgebühren in Höhe von täglich zwölf bis 15 Millionen Dollar. Hinzu kämen die Kosten für die sechs Tage andauernden Bergungsarbeiten. Inzwischen soll Ägypten seine Forderung auf 600 Millionen Dollar reduziert haben.

Ever Given: Japanische Eigentümer pokern hoch

Der japanische Schiffseigentümer Shoei Kisen Kaisha will hingegen bislang nur 100 Millionen Dollar zahlen. Allerdings dürfte der wirtschaftliche Druck auf Shoei steigen. Neben den möglichen Finanzierungskosten dürfte dem Unternehmen auch die ausbleibenden Transportgebühren zusetzen. Hinzu kommt der Druck der Kunden. Früheren Angaben zufolge hat die Ever Given Waren im Gesamtwert von über zwei Milliarden Dollar an Bord.

Dem Chef der Kanalbehörde zufolge dauern die Gespräche über eine mögliche Einigung an. Erst vor gut einer Woche hatte Rabie den Druck auf die Eigner weiter erhöht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte der General, es sei für die Schiffseigner schädlicher, den Fall vor ein Gericht zu bringen, als sich mit dem Kanalmanagement zu einigen.

Der rund 400 Meter lange Container-Riese hatte sich Ende März nach einem aufsehenerregenden Kurs auf einem einspurigen Stück des Kanals quergestellt und zwischen den Ufern verkeilt. Dadurch war eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt tagelang blockiert.


Auf Fragen zur möglichen Unglücksursache ging Rabie nicht ein. Zum Unfallzeitpunkt am 23. März herrschte ein Sandsturm mit starkem Seitenwind. Die entsprechenden Untersuchungsergebnisse werden für Donnerstag erwartet, sagte er. Der Fehler liege „natürlich“ beim Eigentümer. Die Kanalbehörde trage keine Schuld.

Rubriklistenbild: © Wang Dongzhen via www.imago-images.de

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