1. Startseite
  2. Wirtschaft

Evergrande: Zentralbank gibt Entwarnung für Chinas Wirtschaft – weitere Immobilienkonzerne mit Problemen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christiane Kühl

Kommentare

Luftaufnahme einer vom Immobilienkonzern Evergrande errichteten Wohnanlage in Huai An, Provinz Jiangsu, China
Evergrande-Wohnanlage in der ostchinesischen Provinz Jiangsu © IMAGO / VCG

Die Zentralbank in Peking hält die Risiken für Chinas Wirtschaft durch die Krise um den Immobilienkonzern Evergrande für „beherrschbar“. Banken sollen anderen Firmen stabile Kreditversorgung gewährleisten.

Peking/München - Nach wochenlanger Aufregung um den völlig verschuldeten Immobilienentwickler Evergrande hat sich Chinas Zentralbank erstmals offiziell zu der Krise geäußert. Das Risiko einer Ansteckung sei für die chinesische Wirtschaft „beherrschbar“, sagte Zentralbanksprecher Zou Lan am Freitag. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Krise von Evergrande ausgehend auf andere Bereiche ausdehne, sagte Zou auf einer Pressekonferenz. Die Zentralbank rief allerdings die Banken des Landes dazu auf, eine stabile Kreditversorgung der Immobilienunternehmen des Landes zu gewährleisten.

Die chinesische Regierung hatte sich bislang nicht zu den Schwierigkeiten des Immobilienentwicklers geäußert. Experten mutmaßten deshalb, Peking könne eine Zerschlagung des Konzerns vorbereiten. Evergrande sei „sehr schlecht geführt“ worden und habe „blind“ expandiert, kritisierte nun Zentralbanksprecher Zou. Der Konzern hatte durch eine auf Pump finanzierte aggressive Expansion der vergangenen Jahre einen Schuldenberg von umgerechnet rund 260 Milliarden Euro angehäuft. Er expandierte in eine ganze Reihe von Branchen: Tourismus, Versicherungen, Gesundheitsbranche und sogar Elektroautos. Für all das gab Evergrande Milliarden aus.

Es gibt allerdings Hinweise, dass nicht nur Evergrande sich in Schwierigkeiten gebracht hat: In den vergangenen Tagen hatten zwei weitere Immobilienentwickler ernste Probleme eingeräumt: Fantasia zahlte fällige Schulden nicht zurück, Sinic warnte vor dem Zahlungsausfall. Zentralbankvertreter Zou versicherte am Freitag indes, der chinesische Immobiliensektor sei „generell gesund“.

China: Evergrande kann weder Schulden noch Zinsen bedienen

Evergrande aber ist aktuell weder in der Lage, seine Fälligkeiten umfassend zu bedienen, noch kann es fertige Wohnungen an die Käufer übergeben. Die Behörden würden Evergrande „drängen, seine Bemühungen zu verstärken, Geschäftsteile zu verkaufen und die Übergabe von Baustellen zu beschleunigen“, sagte Zou. Dazu werden sogar Kommunen im ganzen Land angewiesen, angefangene Evergrande-Hochhaussiedlungen fertigzubauen, wie es aus informierten Kreisen in Peking verlautete. Auf diese Weise sollen Menschen, die ihre Evergrande-Wohnungen bereits bezahlt haben, diese auch erhalten.

Peking habe die Vergabe von Immobilienkrediten erleichtert, um die Gefahr eines Übergreifens der Evergrande-Krise auf die Finanzmärkte klein zu halten, berichtete zudem die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Demnach habe die Finanzaufsicht einigen Großbanken im vergangenen Monat aufgetragen, die Kreditvergabe für Immobilienkredite zu beschleunigen.

Die Immobilienwirtschaft in China war lange Zeit die Lokomotive des Wirtschaftswachstums. Millionen Wohnungen wurden in den vergangenen Jahren gebaut, die Preise kannten nur eine Tendenz: Steil nach oben. Für die meisten Chinesen ist der Erwerb von Wohneigentum ein sehr wichtiger Schritt hinauf auf der sozialen Leiter. Dafür nahmen sie die hohen Preise ebenso in Kauf wie die Bedingung, Wohnungen lange vor ihrer Fertigstellung zu bezahlen.

China: Immobilienboom führte zu hohen Schulden bei vielen Firmen

Trotz dieser Vorauszahlungen verschuldeten sich zahlreiche Immobilienentwickler hoch, um immer schneller an dem heißen Immobiliengeschäft teilzuhaben. Die steigenden Preise führten zudem zu verbreiteter Immobilien-Spekulation. Seit vielen Jahren warnen Experten vor einer Blase, die allerdings nie platzte. Doch die Regierung begann im Sommer 2020, die Entwicklung zu bremsen, um kontrolliert Luft aus der Blase abzulassen. Sie gab den Immobilienkonzernen die sogenannten „drei roten Linien“ vor. Diese setzten den Firmen Grenzen für die Kreditaufnahme und zwangen sie, ihre Verbindlichkeiten zu reduzieren. Damit begannen die Schwierigkeiten für Evergrande, das nicht mehr an frisches Kapital kam, um Zinsen und Schulden zu bedienen.

Der Handel mit Evergrande-Aktien an der Börse in Hongkong ist seit dem 4. Oktober ausgesetzt. Unterdessen halten sich Spekulationen über Rettungsmaßnahmen wie einen Einstieg eines anderen großen chinesischen Konzerns. Bei den Zinszahlungen für Anleihen von Evergrande kam es zuletzt mehrfach zu Verzögerungen. Zehntausende Kleinanleger fürchten um ihr Geld.(ck/afp/dpa)

Auch interessant

Kommentare