+
In den nächsten Wochen bleiben Bahnkunden von Streiks verschont. Foto: Arno Burgi

EVG verzichtet auf Bahnstreik - Beamtenbund droht

Frankfurt/Main (dpa) - Die streikgeplagten Bahnkunden können durchschnaufen: Nach der Lokführergewerkschaft GDL hat auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG erklärt, bis in den Januar hinein auf Streiks bei der Deutschen Bahn zu verzichten.

Man wolle bei Arbeitskampfmaßnahmen den Arbeitgeber treffen und nicht die Kunden, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba in Frankfurt.

Die GDL hatte bereits zuvor angekündigt, bis zum 11. Januar keine Streiks mehr durchzuführen. Die EVG will bis zu ihrer nächsten Verhandlungsrunde am 14. Januar die Füße stillhalten.

Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba zeigte sich nach der vierten Verhandlungsrunde am Freitag zufrieden mit dem Verlauf der Gespräche. Die Bahn habe erstmals eine soziale Komponente bei den angestrebten Gehaltssteigerungen akzeptiert und einen monatlichen Mindestbetrag von 50 Euro angeboten. Damit sei sie allerdings noch weit von der geforderten Mindesterhöhung entfernt. Generell verlangt die EVG für ihre rund 100 000 DB-Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro bei einer einjährigen Laufzeit.

Zumindest nach EVG-Einschätzung vom Tisch ist der Vorschlag des Unternehmens zu einer neuartigen Tarifstruktur. "Es wird kein neues Tarifwerk geben, sondern wir werden auf dem bewährten Tarifsystem weiter verhandeln", sagte Rusch-Ziemba.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte es zweitrangig, in welcher Reihenfolge über Strukturen und Lohnforderungen gesprochen werde. "Hauptsache ist, wir bleiben am Tisch und stehen erst wieder auf, wenn wir Ergebnisse haben." Man habe mit der EVG erste Zwischenergebnisse erzielt.

Eine härtere Nuss könnten die erneuten Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL werden, die für den 17. Dezember in Berlin anstehen. In der "Süddeutschen Zeitung" hat der GDL-Dachverband Deutscher Beamtenbund (DBB) der Bahn mit "einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten" gedroht. Das Unternehmen solle der GDL ein Angebot "ohne Vorbedingungen" unterbreiten, sagte der zweite Vorsitzende des Beamtenbunds, Willi Russ.

Der Beamtenbund verwaltet die Streikkasse, aus der die Lokführer ihre Arbeitskämpfe finanzieren. Russ sagte, künftige Streiks würden nicht am Geld scheitern. Er drohte: "Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram."

Weber reagierte gelassen: "Ich hatte spontan den Eindruck, dass der DBB-Vertreter sich im Ton vergriffen hat." Diffuse Streikandrohungen verschärften die Lage unnötig und verunsicherten die Kunden. Mit der GDL werde wie geplant verhandelt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die …
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Deutschlands Maschinenbauer exportieren mehr
Frankfurt/Main (dpa) - Die Erholung der Weltwirtschaft bringt das Exportgeschäft der deutschen Maschinenbauer in Schwung. In den ersten sechs Monaten führte die …
Deutschlands Maschinenbauer exportieren mehr
Fröste und Regen vermiesen Bauern die Ernte
Berlin (dpa) - Widriges Wetter mit Frühjahrsfrösten und sommerlichem Dauerregen hat den Landwirten in weiten Teilen Deutschlands die Ernte vermiest. Hereinkommen dürften …
Fröste und Regen vermiesen Bauern die Ernte
Umwelthilfe-Chef erwartet Fahrverbote für Diesel 2018
Jürgen Resch ist ein Mann der klaren Worte. Er spart nicht mit Kritik an der Autoindustrie. Für den Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe ist klar: 2018 kommen …
Umwelthilfe-Chef erwartet Fahrverbote für Diesel 2018

Kommentare