Der ewige Silberstreif am Horizont hellt den Arbeitsmarkt wenig auf

- München - Wer will Hauswirtschafter in Bayern werden? Stuckateur in Baden-Württemberg? Bankkauffrau in Nordrhein-Westfalen? Die Lehrstellen-Situation spitzt sich so sehr zu, dass nur noch mit viel Flexibilität für jeden Bewerber ein Posten gefunden werden kann. Auf 57 unbesetzte Ausbildungsstellen kommen laut aktuellsten Zahlen 100 noch nicht vermittelte Jugendliche.

<P>"Wir sind weit entfernt von einer konjunkturellen Belebung", sagte Florian Gerster bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten. Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA) berichtet bundesweit von 280 000 nicht vermittelten Bewerbern für Lehrlingsstellen. Am Ende könnten 70 000 leer ausgehen.</P><P>In Bayern ist die Lage nicht viel besser. 1300 mehr oder weniger zusätzliche Lehrstellen wurden am "Tag der Ausbildung" übergeben - kleine Linderung. Bis auf München und Weilheim herrscht überall ein Überhang von Kandidaten gegenüber Stellen. Die Jugendlichen müssten ihre Wünsche und Erwartungen überdenken, bittet das Landesarbeitsamt. Wer eine Zusage habe, möge das so schnell wie möglich dem Arbeitsamt mitteilen - es wird eng.</P><P>Gleichzeitig sind vor allem in Süddeutschland die weniger begehrten Lehrstellen ins Hintertreffen geraten. Laut BA sind in Bayern noch Lehrstellen für Hauswirtschafter, Fachleute für Systemgastronomie und Restaurantfachleute offen. In einigen Berufen existiere "sogar ein globales Überangebot an Lehrstellen". Vor allem Azubis für den Beruf des Fachverkäufers im Nahrungsmittelhandel, Metzger, Bäcker, Versicherungskaufleute, Gebäudereiniger, Fachleute für Systemgastronomie und zahnmedizinische Fachangestellte würden nach wie vor dringend gesucht.</P><P>Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt im Juni leicht erholt. 4 257 400 Menschen, 85 000 weniger als im Mai, waren Ende Juni arbeitslos. "Leider noch keine Trendwende", analysiert die Politik übereinstimmend, von Lichtblicken und Silberstreifen ist aber auch diesen Monat immer wieder die Rede. Wenigstens hätten die Reformen Wirkung gezeigt, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte mutigere Arbeitsmarktreformen.</P><P>Etwas Mut macht dabei die Lage in Bayern. Die Arbeitslosenzahl schrumpfte um 13 500 auf 415 400. Das sind zwar noch erheblich mehr als vor einem Jahr, der Abstand wird jedoch von Monat zu Monat kleiner. Offenbar suchen immer mehr Arbeitslose in Bayern den Weg in die Selbstständigkeit. Saisonbereinigt allerdings blieb die Arbeitslosenzahl konstant.</P><P>Am starken regionalen Gefälle hat sich hingegen wenig geändert. In Freising lag die Arbeitslosenquote mit 3,9 Prozent wieder knapp unter der Vier-Prozent-Marke. Damit bleibt die Flughafen-Region deutschlandweit Spitzenreiter, dicht gefolgt von Weilheim und Donauwörth. Den letzten Platz in Bayern belegt Hof mit 11,2 Prozent.<BR></P>

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