Ex-Airbus-Chef Forgeard weist Insider-Vedacht zurück

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Paris (dpa) - Der frühere Airbus-Chef und EADS-Co-Chef Noël Forgeard weist den Vorwurf der Pariser Börsenaufsicht AMF zurück, der Flugzeugbauer habe 2006 den Markt über Probleme mit dem Airbus A380 getäuscht.

Der Konzern habe einen sehr komplexen (deutsch-französischen) Aktionärskreis besessen, sagte Forgeard der Zeitung "Le Parisien". Die Marktkommunikation sei Ergebnis eines internen Konsens gewesen. "Die Vorstellung, dass all diese Personen sich hätten einigen können, um eine den Markt täuschende Information zu destillieren, ist ganz einfach irreal", sagte er. Forgeard war Mitte 2006 wegen der Probleme mit der A380 aus dem Konzern gedrängt worden.

Im Skandal um mutmaßlichen Insiderhandel und Markttäuschung beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist sich die Pariser Börsenaufsicht AMF ihrer Sache sicher: Es bestünden Mängel bei der Informationspflicht, hatte die Behörde in Paris mitgeteilt. Insider wären am Markt aktiv geworden. Das AMF-Dossier wurde nun der Pariser Staatsanwaltschaft und dem Sanktionsausschuss übermittelt. Beschuldigt werden Großaktionäre und Teile des Top-Managements. Auch Forgeard gehört zu den 17 damaligen Managern, die von der AMF der Insiderdelikte beschuldigt werden.

Die EADS sprach von einem drohenden "signifikanten" Imageschaden. Das Unternehmen wolle zeigen, bei der Unterrichtung des Marktes jederzeit "höchste Standards" angewandt und in "voller Transparenz" gehandelt zu haben, sagte Konzernchef Louis Gallois. Wenn EADS der Markttäuschung überführt wird, könnte der Konzern Beobachtern zufolge Verträge wie den Milliarden-Auftrag aus den USA für Tankflugzeuge verlieren.

Neben EADS-Spitzenmanagern werden auch die Hauptaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère verdächtigt, illegal Millionen verdient zu haben. Sie sollen im heimlichen Wissen um Probleme beim Großflugzeug Airbus A380 Ende 2005 und Anfang 2006 EADS-Aktien verkauft haben. Erst am 14. Juni 2006 wurden die Probleme dem Markt bekannt. Die Aktie brach daraufhin um fast 27 Prozent ein. Lagardère und Daimler hatten noch davor je 7,5 Prozent EADS-Anteile auf Ziel abgestoßen. Viele Top-Manager hatten mit Aktienoptionen Kasse gemacht, darunter der langjährige Airbus-Chef Noël Forgeard.

Der EADS-Großaktionär Daimler wollte die AMF-Entscheidung nicht kommentieren. "Uns liegt der Bericht nicht vor", sagte eine Sprecherin der dpa. "Wir können daher auch keine Stellungnahme dazu abgeben." Daimler habe aber immer betont, kein Insidervergehen im Zusammenhang mit den Verzögerungen bei der Airbus A380 begangen zu haben.

EADS erklärte, die möglichen finanziellen Folgen würden als "unwesentlich" betrachtet. Es drohten aber "signifikante Konsequenzen auf das Image und den Ruf" der EADS. Nach dem Abschlussbericht der AMF seien der Konzern sowie die betroffenen Manager jetzt erstmals in der Lage, zu den Ermittlungen der AMF Stellung zu nehmen. Diese würden ihre Rechte "nachdrücklich" verteidigen. Es müsse weiterhin die Unschuldsvermutung gelten. "EADS wird ihre Manager bei ihrer Verteidigung unterstützen", sagte Gallois.

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