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Ulrich Schumacher steht vor Gericht.

Ex-Börsenstar vor Gericht

München – Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher steht wegen Bestechlichkeit vor dem Kadi. Es geht unter anderem um dicke Umschläge voller Geld, schnelle Autos und eine schillernde Karriere.

Während die heimische Wirtschaft darbt, haben Prozesse gegen Manager ungebrochen Konjunktur. Ab kommendem Montag steht der ehemalige Vorstandschef des Münchner Chipkonzerns Infineon, Ulrich Schumacher, in München vor Gericht. Die Anklage lautet auf Bestechlichkeit, Untreue, versuchten Betrug und Steuerhinterziehung. Dem 51-jährigen Angeklagten, der alles abstreitet, drohen bei einem Schuldspruch mehrere Jahre Gefängnis, Schadenersatzklagen durch den Ex-Arbeitgeber Infineon und das endgültige Ende einer einmal glanzvollen Karriere.

„Wir gehen von einer Verurteilung aus“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung setzt dagegen auf Freispruch. Auf den ersten Blick sieht es schlecht aus für Schumacher. Denn der Fall, der sich um Schmiergelder und Autorennen dreht, beschäftigt nicht zum ersten Mal ein Gericht. Bereits zu vier Jahren Haft verurteilt wurde 2006 in diesem Komplex der frühere Infineon-Geschäftspartner Udo Schneider wegen Bestechung und Untreue. Gestanden, die Hand aufgehalten zu haben, hat zudem der frühere Infineon-Vorstand und Schumacher-Kollege Andreas von Zitzewitz. Er kam mit einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe davon. Schumacher dagegen will „nie auch nur einen Cent genommen“ haben, lässt er seine Anwälte verkünden. Sollte er überführt werden, sei kein mildes Urteil zu erwarten, sagen Justizexperten.

Teilnahme an Autorennen finanziert

In der Sache geht es darum, dass Schneider zwischen 1999 und 2004 dem damals befreundeten Managerduo Schumacher und Zitzewitz die Teilnahme an Autorennen finanziert haben soll, um im Gegenzug von Infineon mit Marketingaufträgen bedacht zu werden. Schumacher und von Zitzewitz hatten in einer als „Mäuseliga“ bekannten Privatrennserie ihre Runden gedreht und die Kosten dafür angeblich von Schneider bar erstattet bekommen. Allein 2003 habe Schumacher von ihm 300 000 Dollar erhalten, behauptet dieser. Wie glaubwürdig aber ist diese Aussage? Sein Geständnis brachte Schneider ein relativ mildes Urteil ein. Zuvor hatte er lange bestritten, Schumacher geschmiert zu haben. Dessen Anwälte wollen zudem ein brisantes Dokument besitzen. Demnach hat Infineon Schneider zugesagt, ihn nicht wegen Schadenersatz zu belangen, falls er Schumacher belastet.

Der auf zwei Monate angesetzte Prozess dürfte in jedem Fall tiefe Einblicke in den als Intrigantenstadel verrufenen Chipkonzern geben. Vom illustren Hintergrund der Rennsportstrecken von Hockenheim, Zeltweg oder Spa wird die Rede sein, von Geldübergaben an Flughäfen, in Restaurants und Vorstandsbüros, von Geldscheinen in Plastiktüten oder davon, dass Schumacher angeblich von Infineon bezahlte Sponsoringgelder abgezweigt hat, um für sich und seine Familie Bekleidung zu bestellen.

Einer der früheren Börsenstars

Mit Schumacher steht einer der früheren Börsenstars vor Gericht, die einmal viele Anleger berauscht haben und eine gewaltige Fallhöhe haben. Zum Infineon-Börsengang 2000 war er in Rennsportmanier mit einem Porsche vorgefahren. Bei Infineon hat Schumacher pro Jahr bis zu sechs Millionen Euro kassiert und bastelt heute beim Halbleiterhersteller Grace in Schanghai an einer neuen Karriere. Verhandelt wird sein Fall von Richter Peter Noll. Der hat bereits über den Korruptionsfall von Siemens entschieden.

Wird Schumacher verurteilt, droht dem Topmanager auch finanzielles Ungemach. Denn Infineon wartet seit Jahren auf einen solchen Schuldspruch, um eine Schadenersatzklage gegen ihn lostreten zu können. 2,6 Millionen Euro Abfindung hat der Konzern 2004 an Schumacher bezahlt und weitere 2,6 Millionen Euro nach einem Gerichtsstreit mit ihm bereits zurückbehalten dürfen. Infineon ist durch das Sportsponsoring nach früheren Berechnungen ein Millionenschaden entstanden. Für den würde bei einer Verurteilung im jetzigen Prozess Schumacher in Regress genommen.

Thomas Magenheim-Hörmann

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