Ex-Siemens-Manager: Wohl Bewährungsstrafen

München - Im Korruptionsprozess gegen zwei frühere Siemens-Manager hat das Landgericht München in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt.

Der frühere Finanzchef der Telekommunikationssparte, Michael Kutschenreuter, gestand zum Prozessauftakt am Montag, Millionenbeträge in schwarze Kassen verschoben zu haben. Das Gericht schlug für Kutschenreuter eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie 160.000 Euro Geldstrafe wegen Untreue vor. Das Verfahren wegen Beihilfe zur Bestechung werde eingestellt, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert.

Dem mitangeklagten Leiter des Rechnungswesens stellte die Wirtschaftsstrafkammer eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten und 40.000 Euro Geldauflage in Aussicht. Kutschenreuter entschuldigte sich in seinem Geständnis für den Schaden, den er der Siemens AG und Mitarbeitern zugefügt habe. Er habe vor allem die Sicherung der Arbeitsplätze der krisengeschüttelten Telefonnetz-Sparte ICN im Auge gehabt, als er einem Mitarbeiter freie Hand für Schmiergeldzahlungen und Beraterverträge mit zweifelhaftem Hintergrund gelassen habe. Er habe gewusst, dass der Mitarbeiter “diskrete Zahlungen über einen Treuhänder leisten“ würde, sagte Kutschenreuter. Um Details habe er sich aber nicht gekümmert - er sei damals für einen Bereich mit 12 Milliarden Euro Umsatz mitverantwortlich gewesen.

Er sei damals überzeugt gewesen, im Interesse von Siemens zu handeln. Kutschenreuters Anwälte sagten, ihr Mandant habe die gängige Praxis nach dem gesetzlichen Verbot der Bestechung im Ausland 1998 weitergeführt. Aus Loyalität habe er das trotz eigener Bedenken gemacht. Der Konzernleitung und der Kontrollabteilung warfen die Verteidiger vor, das Rechtsbewusstsein nicht ausreichend geschärft zu haben.

dapd

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