+
Freigesprochen:  Ex-Siemens-Vorstand Uriel Sharef.

Untreueprozess

Ex-Siemens-Vorstand freigesprochen

München  - Es ist der letzte große Prozess um die Schmiergeldaffäre bei Siemens. Das Landgericht München spricht Ex-Vorstand Uriel Sharef frei. Die Staatsanwaltschaft will in Revision gehen.

Der frühere Siemens-Vorstand Uriel Sharef ist im wohl letzten großen Prozess um den milliardenschweren Schmiergeldskandal bei Siemens freigesprochen worden. Das Landgericht München folgte am Freitag damit dem Antrag der Verteidigung, die ihren Mandanten von Beginn an für völlig unschuldigt gehalten hatte.

„Im Verlauf der Hauptverhandlung sind die rechtsstaatlichen Defizite des Ermittlungsverfahrens mit aller wünschenswerten Deutlichkeit zu Tage getreten“, erklärte Sharefs Anwalt Heiko Lesch nach dem Urteil. „Die von vornherein auf Flugsand gebaute Anklage ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen.“

Auch das Gericht äußerte erhebliche Kritik an der Staatsanwaltschaft, die unter anderem Akten nicht vollständig geliefert habe, sondern etwa zunächst nur belastende Teile. Die Ankläger wiesen das zurück und kündigten an, gegen das Urteil in Revision zu gehen. Eine weitere Runde in dem Verfahren ist also zumindest möglich.

Sharef soll Bestechungssystem gedeckt haben

Die Anklage hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen Untreue in drei Fällen gefordert. Die Staatsanwaltschaft war überzeugt, dass Sharef bei einem Geschäft mit fälschungssicheren Ausweisen in Argentinien ein Bestechungssystem gedeckt habe.

Sharef war im Siemens-Zentralvorstand für die Region verantwortlich. Rund 9,5 Millionen Dollar sind laut Anklage an Scheinfirmen geflossen. Danach soll die schwarze Kasse aus dem Siemens-Vermögen weiter mit Millionen befüllt worden sein.

Der Ende 2006 aufgeflogene konzernweite Schmiergeldskandal hatte Siemens erschüttert und kostete viele Manager den Job. Über Jahre sollen 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen sein, um Aufträge zu ergattern. Die größte Korruptionsaffäre der deutschen Wirtschaftsgeschichte hat Siemens 2,5 Milliarden Euro gekostet.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

EZB bleibt im Krisenmodus: Leitzins weiter auf Rekordtief
Die Inflation ist zurück - und damit die Forderung nach einem raschen Ende der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Doch die Notenbank flutet die …
EZB bleibt im Krisenmodus: Leitzins weiter auf Rekordtief
„Sofort Storno!“ dm-Mitarbeiterin erlebt Unglaubliches bei Rossmann
Bedburg - Zwischen den zwei Drogerieketten dm und Rossmann besteht ein harter Konkurrenzkampf. Jetzt eskalierte der Streit offenbar, als eine dm-Mitarbeiterin große …
„Sofort Storno!“ dm-Mitarbeiterin erlebt Unglaubliches bei Rossmann
Verband fürchtet steigende Wasserpreise 
Berlin - Weil zu viel Dünger auf den Äckern landet, sind die Nitratwerte im Grundwasser in Deutschland mancherorts zu hoch. Die aufwendige Reinigung könnte die …
Verband fürchtet steigende Wasserpreise 
Vor EZB-Zinsentscheid überwiegt die Vorsicht
Frankfurt/Main (dpa) - Vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) dominiert am deutschen Aktienmarkt die Zurückhaltung.
Vor EZB-Zinsentscheid überwiegt die Vorsicht

Kommentare