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"Beispiellose Instinktlosigkeit": Der Ex-Vorstandschef der Hypo Real Estate, Georg Funke.

Hypo Real Estate: Ex-Chef will 150.000 Euro Gehalt einklagen

München - Nach seinem Rauswurf bei der Hypo Real Estate hat der ehemalige Chef Georg Funke die Bank auf die Zahlung von rund 150.000 Euro Gehalt verklagt. Aktionärsschützer sprechen von einer "beispiellosen Instinktlosigkeit".

Ein Sprecher des Landgerichts München bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Medienbericht, in dem diese Summe genannt wurde. Unter Funkes Leitung war die Hypo Real Estate (HRE) im vergangenen Jahr an den Rand des Ruins geraten und wird seitdem mit staatlicher Hilfe am Leben gehalten. Insgesamt hat der Konzern bereits 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital erhalten.

Funke musste nach einem Streit mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Herbst vergangenen Jahres abtreten und seinen Platz an der HRE-Spitze dem Manager Axel Wieandt überlassen. Als HRE- Chef hatte Funke im Jahr 2007 zuletzt knapp 1,9 Millionen Euro verdient. Auch der frühere Finanzvorstand Markus Fell hat beim Landgericht gegen seine Kündigung geklagt, Ex-Vorstandsmitglied Frank Lamby fordert in einer Klage die Zahlung von 37 500 Euro Vergütung ein. Über die Klagen werde voraussichtlich in einer mündlichen Gerichtsverhandlung entschieden, sagte der Gerichtssprecher. Ein Termin dafür stehe aber noch nicht fest.

Bei Aktionärsschützern sorgten die Klagen für Empörung. “Den Herren fehlt offensichtlich jegliche Spur von Moral“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Ulrich Hocker. Die Klagen seien eine beispiellose Instinktlosigkeit. “Damit disqualifizieren sich Herr Funke und seine Kollegen ein weiteres Mal selbst.“ Unter ihrer Führung sei die HRE in eine Existenzkrise manövriert worden, die indirekt auch den gesamten deutschen Finanzsektor bedrohet. “Doch die Ex-Manager scheint das nicht zu kümmern.“ Die DSW hat bereits bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige gegen die verantwortlichen Manager für das HRE-Debakel erstattet.

Die ermittelt wegen der Beinahe-Pleite der HRE gegen alle Ex-Vorstände der Bank, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren. Unter anderem geht es um den Verdacht der Marktmanipulation und Untreue. Auch der Aufsichtsrat der Bank leitete Untersuchungen gegen Ex-Vorstandschef Funke und den früheren Vorstand Bo Heide-Ottosen wegen eines möglichen Fehlverhaltens ein.

Die Bundesregierung hat indes ein auf die HRE zugeschnittenes Gesetz zur Verstaatlichung maroder Banken beschlossen.

mm/dpa/ap

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