Exel-Übernahme Befreiungsschlag für die Deutsche Post

- Bonn/London - "Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein gigantischer Sprung für die Logistikwelt." - Mit dem abgewandelten Zitat des Astronauten Neil Armstrong beim Betreten des Mondes rühmte Post-Chef Klaus Zumwinkel die Bedeutung der Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel. Mit einem Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro wäre es der teuerste Zukauf der Post. Mit einem Schlag würde der gelbe Riese zum weltweit größten Logistikanbieter - vor UPS und Federal Express. Und ebenso wichtig: Die Post würde ein ganzes Stück unabhängiger vom Briefgeschäft.

Das neue Unternehmen werde mit 500 000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 52 Milliarden Euro erwirtschaften, rechnete Zumwinkel vor. Experten gilt die Fusion als eine - möglicherweise überteuerte - Traumhochzeit. Denn die Unternehmen ergänzen sich gut. Exel ist in Großbritannien und den USA stark, die Post vor allem in Kontinentaleuropa und Asien. Exel glänzt mit kundenorientierten Lösungen. Die Stärke der Post liegt dagegen eher im Transport. Die Übernahme macht die Post zur Nummer eins bei der Luftfracht, beim Seetransport und bei der Kontraktlogistik. Denn auf dem Heimatmarkt muss sie ab 2008 mit deutlichen Gewinneinbußen rechnen. Dann fällt das Briefmonopol. Das Briefgeschäft macht zwar nur noch 29 Prozent des Umsatzes aus, liefert aber immer noch 61 Prozent des Betriebsergebnisses. Diese Abhängigkeit wird durch den Exel-Kauf gemindert. Künftig stammen nur noch knapp ein Viertel des Umsatzes und gut die Hälfte des Gewinns aus dem Briefgeschäft. Und die Logistik soll ihren Gewinnbeitrag in den nächsten Jahren deutlich steigern. "Wir werden Marktführer bei Logistik sein und von den hohen Wachstumsraten im Markt profitieren", versprach Zumwinkel in London.

Allerdings steht die Post erst einmal vor einer gigantischen Aufgabe. Sie muss nicht nur die Integration der 112 000 Exel-Mitarbeitern bewältigen, beide Unternehmen sind derzeit auch noch damit beschäftigt, frühere Zukäufe zu verdauen.

Da ist es ermutigend, dass Exel-Chef John Allan die Integration leiten will. Der gelernte Mathematiker kennt die Branche wie kaum ein anderer und hat das britische Unternehmen zur weltweiten Nummer eins in der Kontraktlogistik gemacht. Sorgen muss der Post auch der Kaufpreis bereiten. Schon nach Bekanntwerden der Milliardenofferte sank der Kurs der "Aktie gelb" um 2,5 Prozent. Und Analysten halten es für möglich, dass durch Gegenangebote von Konkurrenten wie UPS oder Fedex der Preis für Exel weiter in die Höhe getrieben wird.

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