Exodus der Führungskräfte: Hoffnungsträger verlassen die HVB

- München - Sie waren die Hoffnungsträger der HypoVereinsbank: Die charismatische Privatkunden-Chefin Christine Licci (41), der international anerkannte Finanzmarkt-Jongleur Stefan Jentzsch (44) und der Immobilienexperte Johann Berger (45). "Eigentlich haben wir gut zusammengearbeitet", sagte einer von den Dreien. Gemeinsam habe man frischen Wind in die Bank bringen wollen.

Vor allem Berger und Licci aber wurden durch eine monatelange Hängepartie um die künftige Führung gegeneinander in Position gebracht. Jentzsch und Licci reichten nun kurz vor der Übernahme durch die italienische Unicredit ihre Kündigung ein, Berger wird ihnen wahrscheinlich folgen.

Nun wird keiner der "jungen Wilden" HVB-Chef, wenn Dieter Rampl an die Spitze des Unicredit-Verwaltungsrats wechselt, sondern der 59-jährige Finanzvorstand Wolfgang Sprißler, der eigentlich in den Ruhestand gehen sollte. "Das ist ja grausam", kommentierte ein HVB-Aufsichtsrat diese überraschende Personalie. Der Rückzug der jungen Vorstände werde eine mögliche Zerschlagung der HVB nun noch beschleunigen. "Das kann nicht gut gehen." Von sieben Vorstandsmitgliedern der HypoVereinsbank, die die Fusion mit Unicredit beschlossen haben, werden mit Sprißler und Risiko-Manager Michael Kemmer nur noch zwei im neuen Konzern operativ tätig sein.

Vor allem der Rücktritt des früheren Goldman-Sachs-Partners Jentzsch trifft die Bank völlig unvorbereitet. Der Bergfreund gilt als einer der begabtesten deutschen Investmentbanker. Sein Ressort "Corporates & Markets" steuert die Hälfte der Erträge der HVB bei. Jentzsch geht nun nach Streit um den Zuschnitt seines Ressorts mit Unicredit-Chef Alessandro Profumo. "Das ist für die Bank ein Verlust und auch eine menschliche Enttäuschung", sagt ein HVB-Funktionär. Jentzschs Rückzug in letzter Minute sorgte für viel Unverständnis in der Bank. "Es stoibert bei der HypoVereinsbank", sagt einer.

Wie Jentzsch wird auch Licci, die regelmäßig bei ihrer Familie in den Dolomiten ist, erst einmal mehr Zeit für die Berge haben. Über den Abschied der früheren Deutschland-Chefin der Citibank, die erst Anfang des Jahres zur HVB kam, hält sich das Bedauern bei manchen in der Bank aber in Grenzen. Spätestens, als sich Licci im Sommer mit Sprißler anlegte und in einer E-Mail an die Mitarbeiter die Veröffentlichung falscher Zahlen beklagte, hatte sie sich Feinde gemacht. Zudem stellte sie früh klar, dass sie die Bank verlasse, wenn Berger der Chef werde. Bei einem Besitzerwechsel haben die HVB-Vorstände ein Sonderkündigungsrecht. Damit kommt Licci wohl auf einen Verdienst von vier Jahresgehältern für eine knapp einjährige Amtszeit - drei davon entfallen Branchenkreisen zufolge auf die festgeschriebene Abfindung.

Völlig unverschuldet zwischen die Mühlen geraten ist nach Einschätzung vieler Johann Berger. "Rampl hat ihn monatelang in der Luft hängen lassen", sagt ein Branchenexperte. Als anerkannter Immobilienexperte war Berger im Frühjahr von der Hypo Real Estate zur HVB zurückgekehrt. Er sollte sich unter anderem um faule Immobilienkredite kümmern. Rampl habe ihm viel versprochen, konkret entschieden wurde aber nichts, heißt es in der Bank. Nun soll keiner aus dem jungen Trio die Bank in die Zukunft führen und gegen allzu starken Durchgriff aus Italien schützen, sondern der eher knöcherne Bilanz-Hüter Sprißler.

Für weitere Unruhe in der Bank sorgt indes, dass Unicredit-Chef Profumo die geplanten Einsparungen in Höhe von 900 Millionen Euro nach Recherchen des "Spiegel" allein in Österreich und Deutschland realisieren wolle. Das italienische Geschäft solle weitgehend unangetastet bleiben.

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