Exot oder Klassiker: Auto-Raritäten müssen nicht immer teuer sein

- Autos sind meist Massenware. Bei monatlich mehr als 300 000 Neuzulassungen in Deutschland dürfen Fahrer kaum hoffen, das eigene Modell nicht in der nächsten Straße wieder zu sehen. Doch weist die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes eine Reihe von Autos aus, die eine absolute Nebenrolle spielen. Sie sind exklusiv oder exotisch, auf jeden Fall selten, und sie wurden im ersten Halbjahr 2006 keine 500-mal verkauft.

"Für den Kunden muss das kein Nachteil sein", sagt Dieter Fess von Bähr & Fess, einer auf die Autobranche spezialisierten Unternehmensberatung. "Kaufen sie eine exklusive Rarität, steigt später vielleicht sogar der Wert."

Und wer sich für einen Exoten entscheidet, bekomme in der Regel ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. So wurden 2006 nur 121 Exemplare der Maserati-Limousine Quattroporte neu zugelassen, vom rund zehn Mal billigeren Lada 110 sogar nur 87. Der koreanische Chevrolet Evanda (403 Zulassungen) fäist weit exklusiver als die Mercedes E-Klasse, die über 50-mal so oft verkauft wurde.

Selbst ein Ferrari ist kein Garant für absolute Exklusivität: Denn die 121 Besitzer eines neuen F 430 riskieren mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Begegnung mit dem baugleichen Auto als all jene Menschen, die sich von Januar bis Juni einen von 44 Seat Arosa gekauft haben. Gemessen daran ist der Renault Vel Satis mit 168 Zulassungen ein Erfolgsmodell, ebenso der Kia Opirus mit 187 oder der Volvo S80 mit 245 Zulassungen.

Oft buchen Hersteller die Investition in Exoten auf dem Konto "Imagepflege" ab. So macht sich etwa Hyundai-Geschäftsführer Hans-Jürgen Engels gar keine Hoffnungen, dass er mit der Mittelklasse- Limousine Grandeur viel gegen einen 5er BMW oder einen Audi A6 ausrichten kann. Dennoch ist das Top-Modell für ihn wichtig. "Wir können damit unseren Kunden, unseren Händlern und uns selbst signalisieren, dass wir uns im Stil, im Design, der Anmutung und der Qualität mit den Besten messen können."

Kleine Stückzahlen haben Einfluss auf Werterhalt und Wiederverkauf, sagt Restwertexperte Fess und nennt als wichtigsten Faktor das Marken-image. Exoten wie ein Mercedes SLR oder ein Porsche Carrera GT hätten einen hohen Image- Faktor, und die Nachfrage sei oft größer als das Angebot. "Das sind Raritäten und Sammlerstücke mit Ansage", sagt Fess und stellt solchen Autos nur geringe Wertverluste in Aussicht. Auf der anderen Seite stehen Exoten, "deren Markenimage -vorsichtig ausgedrückt -nicht ganz so gut ausgeprägt ist". "Deshalb ist hier natürlich mit einem besonders hohen Wertverlust zu rechnen", sagt der Experte.

Dennoch könnten solche Autos eine gute Wahl sein für "Fahrer, denen es um ein gutes Verhältnis von Preis und Wert geht". Und noch einen Trost hat der Restwertexperte parat: "Natürlich klingt ein Wertverlust von 18 Prozent für einen Porsche 911 besser als einer von 25 Prozent für die Corvette", sagt Fess. Doch wenn man auf Basis der Grundpreise von 100 000 Euro auf der einen und 70 000 Euro auf der anderen Seite nachrechnet, komme man zu einem überraschenden Ergebnis: "Unter dem Strich verliert man mit dem Exoten weniger Geld als mit dem Klassiker."

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