Experte: Andere Ketten werden Aldi-Preiserhöhung folgen

Frankfurt/Main - Den angekündigten Preiserhöhungen von Aldi werden nach Expertenansicht über kurz oder lang weitere große Handelskonzerne folgen. "Alle halten sich sklavisch an die Aldi-Preise. Das war schon immer so", sagte der Discounthandels-Analyst Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail.

Die Handelsketten richteten ihr unteres Preissegment an Aldi aus. "Wenn das Niveau nach oben geht, muss auch Aldi die Vorlage bieten." Der Zeitpunkt und der Umfang von zu erwarteten weiteren Preissteigerungen bei Lebensmitteln seien gegenwärtig noch nicht genau überschaubar.

Nach drastischen Preissteigerungen für Milchprodukte von bis zu 50 Prozent in den vergangenen Wochen seien weitere Preisanhebungen beispielsweise bei Schokolade und Eiscreme zu erwarten. Aber auch bei Mehl, Brot und Backwaren gebe es einen gestiegenen Kostendruck. "Es wird noch einiges nachkommen", meinte Queck. Für das Steigen der Preise gebe es weltweit Indizien. Im Unterschied zu Vorjahren habe es 2007 relativ wenige Preissenkungen im Lebensmittelhandel gegeben. Hintergrund sei auch die seit Jahresbeginn in Deutschland geltende Mehrwertsteuererhöhung, die für eine Reihe von Lebensmitteln gelte. Aldi habe vornehmlich bei Dienstleistungsangeboten wie Fotoarbeiten Preise gesenkt.

Für den Discounter Aldi, der sich jahrzehntelang als Preisbrecher und Preisbewahrer profiliert habe, seien Zeitungsanzeigen zum Thema Preiserhöhungen unumgänglich gewesen. "Das kann man einfach nicht unter den Teppich kehren, da kommt von den Verbrauchern gleich der Vorwurf der Abzocke", verdeutlichte Queck. Aldi versuche schon seit längerem, bei den Kunden weg vom Vergleich einzelner Preise hin zu einem Generalvertrauen zu kommen. Deshalb greife Aldi das Thema Preiserhöhungen jetzt als erster großer Lebensmittelhändler offensiv auf und führe dabei stärker als bisher das Argument Qualität an. Der Discounter habe damit der Konkurrenz erneut eine Lektion erteilt.

Die gestiegenen Weltmarktpreise für Landwirtschaftserzeugnisse werden die deutschen Verbraucher nach Meinung von Queck besonders deutlich zu spüren bekommen. "Das Preisniveau in Deutschland ist ausgereizt", verdeutlichte der Analyst. Weil die Margen im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel ohnehin schon gering seien, würden höhere Rohstoffkosten kräftiger auf die Verbraucherpreise durchschlagen als in anderen westeuropäischen Ländern. Für Aldi und andere Unternehmen gehe es darum, die Gewinnspanne zu sichern. "Alle werden behaupten, dass sie selbst nichts einstecken." Die erfolgten Preiserhöhungen bei Butter und Quark zeigten deutlich: "Sie verschenken nichts".

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