Patric Heberlein

Experte: „In der Arbeit geht es um Diskretion“

Immer mehr Arbeitgeber suchen im Internet nach persönlichen Informationen ihrer Bewerber. Das belegt eine Studie, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde.

Stoßen die Personalchefs auf freizügige Partyfotos, sind Kandidaten oft schon durchgefallen. „Je weniger Persönliches ich im Internet über jemanden finde, umso besser ist es“, sagt Patric Heberlein, Senior Consultant der „JBH Personalberatung Herget“ in München. Ein Gespräch über die vielen Gefahren der Selbstdarstellung im Netz.

Der Studie zufolge durchforstet fast ein Drittel der Unternehmen das Internet nach Hobbys, Interessen oder Meinungsäußerungen ihrer Bewerber. Eine ziemlich hohe Zahl – sind Sie überrascht?

Ich glaube, man muss diese Zahl ein bisschen differenzierter betrachten. Wir schauen regelmäßig im Netz nach – aber erst, wenn Kandidaten in die engere Wahl kommen. Zunächst werden nur die eingereichten Unterlagen der Kandidaten geprüft.

Haben Sie schon mal einen Bewerber wieder aussortiert, weil Sie von ihm ein Foto im Netz entdeckt haben, auf dem er betrunken in die Kamera prostet?

Ich muss gestehen: Bisher noch nicht. Dies liegt jedoch primär daran, dass wir vor allem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte suchen – Sie werden kaum Manager finden, die private Fotos bei „Lokalisten“ oder anderen sozialen Netzwerken posten.

Also sind es Jüngere, die in diese Falle tappen?

Überwiegend, ja. Portale wie „StudiVZ“ oder „Facebook“ sind sehr beliebt, hier werden Schnappschüsse von Partys hochgeladen, die dann de facto öffentlich zugänglich sind. Dass Betroffene auf den meisten Bildern nicht die beste Figur machen und sich nicht von ihrer professionellen Seite zeigen, liegt in der Natur der Sache.

Das haben Sie jetzt sehr diplomatisch ausgedrückt . . .

Im Klartext: Man findet im Netz oft Aufnahmen von kompromittierenden Situationen. Das sind ganz klare Tabus – und ich kenne auch durchaus Fälle, in denen solche Bilder dazu führten, dass Kandidaten, die bereits in der engeren Auswahl standen, abgesagt wurde.

Es waren aber keine Kandidaten, die sich bei Ihnen beworben haben?

Nein, aber natürlich tausche ich mich gelegentlich auch mit Branchen-Kollegen aus. Es sind die Klassiker: Nach erfolgreicher Suche hat man einige Top-Kandidaten und muss sich entscheiden. Da bietet sich gegebenenfalls ein Blick ins Internet an.

Was ist denn – neben kompromittierenden Fotos – die größte Sünde, die Bewerber machen können?

Ganz klar: Aktuelle oder frühere Arbeitgeber öffentlich zu kritisieren. Würden Sie jemanden einstellen, der offenkundig seine Unzufriedenheit im Internet verbreitet? Derartiges kann durchaus in einem persönlichen Gespräch kommuniziert werden. Das Internet ist jedoch definitiv der falsche Ort dazu.

Ist denn Ihrer Ansicht nach jegliche Präsenz im Internet tabu?

Ich sage es vorsichtig: Falls jemand Familienfotos online stellt oder seine eigene seriöse Homepage einrichtet, finde ich das in Ordnung. Grundsätzlich gebe ich aber zu bedenken, dass Informationen aus dem Privatleben wirklich nur äußerst diskret veröffentlicht werden sollten.

Was sagen Ihnen denn solche Bilder im Netz?

Sie wissen: Oft geht es im Job um Diskretion. Vor allem in einer Führungsposition. Natürlich gibt es Dinge, die bei einer Veröffentlichung kein Nachspiel haben, zum Beispiel ein soziales Engagement. Letztlich gilt jedoch: Je weniger – Negatives – ich im Internet über Kandidaten finde, umso besser ist es.

Warum halten sich die Menschen nicht einfach an diesen Ratschlag?

Der Mensch will sich einfach präsentieren, den anderen zeigen: Schaut her, ich bin auch da. Die meisten hoffen wahrscheinlich, dass sie jemand wahrnimmt. Meistens klappt das auch. Aber es ist nicht klug, sich aus profilneurotischen Gründen – ich nenne das mal so hart – die Karriere zu verbauen . . .

Sie sprechen ja auch von einer gewissen Doppelmoral in diesem Zusammenhang?

Wir reden alle gern von Datenschutz: Niemand will, dass seine persönlichen Angaben gespeichert werden, geschweige denn weitergegeben. Keiner möchte abgehört werden, jedoch präsentieren wir uns im Netz wie ein offenes Buch. Wo ist da der Sinn?

Das Gespräch führte Barbara Nazarewska

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