S-Bahn-Chaos: Ausfälle auf der Stammstrecke

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Martin Zielke verantwortet das Privatkundengeschäft im Vorstand der Commerzbank seit November 2010.

Experte rät: Jetzt auf Sachwerte setzen

Die Verunsicherung an den Börsen ist groß. Auch viele Kleinanleger suchen derzeit Rat. Wir fragten Martin Zielke, den Privatkundenvorstand der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank, nach seinen Strategien und nach der Fusion mit der Dresdner Bank.

Die Finanzmärkte sind seit gut zwei Wochen völlig in Aufruhr. Hilft der deutsch-französische Gipfel, damit bald wieder Ruhe einkehrt?

Das muss man abwarten. Ich kenne nicht viele Leute, die eine Prognose wagen. Die Nervosität an den Märkten wird jedenfalls nicht von einem auf den anderen Tag verschwinden.

Was halten Sie von Eurobonds?

Eurobonds muss man in einem größeren Kontext sehen. Die eigentliche Frage ist, ob es eine Währungsunion ohne politische Union dauerhaft überhaupt geben kann.

Auch Kleinanleger sind durch die Turbulenzen am Kapitalmarkt verunsichert. Was würden Sie raten?

Das Allerwichtigste: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Wenn Märkte in Bewegung sind, ist es genauso riskant, kopflos alles zu verkaufen, wie hektisch nach Einstiegs–chancen zu suchen. Man sollte immer erst einmal Ruhe bewahren. Außerdem gilt heute mehr noch als sonst: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Das heißt, man muss sein Portfolio diversifizieren; sich fragen: bin ich meiner Risikoneigung entsprechend aufgestellt, stimmt die Struktur? Klar muss aber auch sein, hohe Renditen ohne entsprechendes Risiko gibt es nicht.

Aber könnte nicht ein risikobewusster Anleger, der Geld übrig hat, bei einzelnen Aktien auf niedrigem Kursniveau einen Einstieg erwägen?

Natürlich kann er das. Man könnte das Geld auch in der Spielbank auf Rot oder Schwarz setzen. Ich sage aber, der Kapitalmarkt ist kein Spielcasino. Hier entscheidet nicht das Schicksal. Hier spielen neben Emotionen auch harte Fakten eine Rolle.

Welchen zeitlichen Horizont sollten Aktienanleger jetzt mitbringen?

Denselben wie immer, einen langen. Gerade konservative Anleger sollten ein Aktienengagement immer auf längere Sicht eingehen. Das gilt heute und auch in ganz ruhigen Marktphasen. Ich würde mich vor einer größeren Investition immer fragen, was für einen Zeithorizont habe ich, welches Sicherheitsbedürfnis, welche Risikoneigung? Welche Struktur passt zu mir?

Was gehört in ein Depot, wenn jemand zum Beispiel 50 000 Euro aus einer Lebensversicherung zur Verfügung hat und das jetzt anlegen will?

Ich würde den Betrag aufteilen. Ein Teil sollte in Liquidität gehen, also zum Beispiel in Tagesgeld. Ein weiterer Teil sollte in Staatsanleihen bester Bonität gehen. Das bringt derzeit zwar nicht viel Rendite, aber im kurz- und mittelfristigen Bereich etwas mehr als Tagesgeld. Weitere Bausteine sind Rohstoffe, Aktien und Immobilien. In welcher Gewichtung welcher Baustein ins Depot kommt, hängt von der individuellen Vermögenslage und Risikobereitschaft ab.

Vor allem für viele ältere Anleger steht die Angst vor Inflation derzeit im Mittelpunkt. Wie schützt man sein Depot vor Geldentwertung?

Indem man einen Schwerpunkt auf Sachwerte legt, also zum Beispiel Immobilien oder gegebenenfalls auch Rohstoffe wie Gold. Für ganz Vorsichtige gibt es spezielle Anleihen mit Inflationsschutz. Dabei ist die Verzinsung sehr gering, dafür wird die Inflationsrate obendrauf gelegt. Ganz ausgleichen kann man die Inflation damit aber meist nicht, weil am Ende auf den Ertrag ja noch Steuer bezahlt werden muss.

Ende kommenden Jahres soll die Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank abgeschlossen sein. Wie viele Arbeitsplätze wird die Fusion dann gekostet haben?

Im Privatkundengeschäft hatten wir 2008 in beiden Banken zusammen rund 18 000 Vollzeitstellen. Davon fallen bis 2013 rund 2400 Stellen weg. 75 Prozent sind bereits erreicht. Der Abbau ist vor allem ein Thema der Zentrale. Die Filialen spielen da keine große Rolle. Wir wollen das Geschäft ja schließlich ausbauen und dafür brauchen wir unsere Berater.

Als Nächstes sollen rund 300 Filialen von Commerzbank und der alten Dresdner Bank zusammengelegt werden. Wie läuft das ab?

Es werden vorwiegend Filialen zusammengelegt, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, das heißt nicht mehr als 450 Meter auseinander. Die alte Commerzbank hatte rund 820 Filialen, die Dresdner rund 720. Ende 2012 werden wir 1200 Filialen haben. Wir ziehen uns dabei von keinem Standort zurück. Zwei kleine Einheiten einer Bank am selben Marktplatz machen keinen Sinn, auch weil wir mit drei bis vier Beratern den Kunden nicht die Expertise bieten können, die wir uns vorstellen. Die Mitarbeiter ziehen deshalb in einem größeren Standort zusammen. Dort können wir dann auch Spezialisten einsetzen, zum Beispiel in der Anlageberatung.

Und die Kunden, ziehen die auch mit?

Branchenweit liegt die normale Fluktuation zwischen fünf bis sieben Prozent. Und eine stärkere Bewegung haben wir trotz Integration nicht gespürt. Da wir gleichzeitig Kunden gewonnen haben, beträgt unsere Kundenzahl stabil elf Millionen. Dabei macht sich unsere offensive Aquisitionsstrategie positiv bemerkbar.

... über die Ihre Konkurrenten sehr schimpfen. Die Commerzbank, so sagen sie, bestreitet mit Staatsgeldern einen unfairen Wettbewerb...

Wir dürfen das gar nicht – das wird von den Aufsichtsbehörden auch sehr genau überprüft. Die Klagen unserer Wettbewerber zeigen deshalb, dass wir das Richtige machen, zum Beispiel mit unserem Tagesgeld-Angebot von 2,3 Prozent. Seit dem 1. Juli haben die Kunden bereits mehr als 900 Millionen Euro zu diesem Zinssatz angelegt. Bayern ist mit rund 110 Mio. Euro überproportional vertreten. Das schmerzt natürlich unsere Konkurrenten.

Gibt es eine Zielmarke, wie viele Kunden Sie neu gewinnen wollen?

Nein. In den vergangenen Jahren hat die Integration intern viele Kräfte gebunden. Aber jetzt sind wir wieder ohne Einschränkungen am Markt. Das spüren auch unsere Wettbewerber, wie wir lesen und hören können.

Welchen Konkurrenten wollen Sie Kunden weglocken?

Die Commerzbank ist eine Großbank mit einem Marktanteil von – je nach Kundengruppe – zwischen sieben bis 14 Prozent. 86 bis 93 Prozent sind damit noch bei anderen Banken. Wir haben also genug Luft zu wachsen und wir greifen an!

Interview: Corinna Maier

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