Experte: Öl wird noch teurer

München - Selbst jüngste Rückgänge werden den Ölpreisanstieg nicht aufhalten. Denn Angebot und Nachfrage klaffen immer weiter auseinander. Eine nachhaltige Entspannung ist nicht in Sicht.

Es dauerte nur einen Tag, bis der neue Rekordstand beim Ölpreis an den deutschen Zapfsäulen ankam. Am Dienstag durchbrach der Ölpreis in New York erstmals die Marke von 120 Dollar pro Barrel (159 Liter). Am Mittwoch fielen auch an den Zapfsäulen nach ADAC-Angaben sämtliche Rekorde: 1,466 Euro für Super waren genau ein Cent mehr als der bisherige Höchststand vom 9. November 2007. Auch Diesel überbot mit 1,379 Euro den Rekordwert vom 12. April 2008 um einen Cent. Die Zahlen für gestern wiesen erneut aufwärts. Zwar bröckelte der Rohölpreis bereits wieder, doch der Eurokurs ging mit ihm abwärts. Währungsbereinigt blieb der Spritpreis in der Euro-Zone auf Rekordniveau.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Das sagt zumindest Frank Schallenberger, Rohstoffanalyst der Stuttgarter LBBW. Zwar sei der Ölverbrauch in den USA zuletzt um 100 000 Barrel pro Monat gesunken. Doch gleichzeitig stieg der Verbrauch allein in China um 400 000 Barrel, also das Vierfache. Gleichzeitig stehen, so Schallenberger, die Inder noch in den Startlöchern. Bei der erwarteten ökonomischen Aufholjagd des Subkontinents dürfte es zu einer ähnlich schnell wachsenden Energienachfrage wie in China kommen.

Auf der Angebotsseite tut sich dagegen wenig. Die Opec sieht gegenwärtig keinen Handlungsbedarf und verlautbart ungerührt, die Erdölmärkte seien im Gleichgewicht. Ein Treffen des Export-Kartells der Export-Länder, auf dem über eine Erhöhung der Förderquoten diskutiert werden könnte, ist erst für Herbst anberaumt. Mittlerweile bezweifeln viele Experten auch, ob die Opec überhaupt mehr fördern kann. Denn zahlreiche Ölfelder sind bereits so weit ausgebeutet, dass die mögliche Fördermenge laufend zurückgeht. Allenfalls in Saudi-Arabien wäre nach Expertenmeinung mehr drin.

Zudem zerplatzen auch zunehmend die Hoffnungen, dass Biosprit im nennenswertem Umfang zu einer Entspannung auf den Ölmärkten beitragen kann. Dies wird, so sagt auch Schallenberger, erst beim Biosprit der zweiten Generation möglich werden. Für diesen werden keine Lebensmittel verbraucht, sondern Pflanzenabfälle vor allem aus der Land- und Forstwirtschaft. Doch bis dieser marktfähig wird und in größeren Mengen zur Verfügung stehen kann, dauert es noch. Experten rechnen mit fünf bis zehn Jahren.

Schallenberger sieht also keinen Anlass zur Hoffnung auf kurzfristig sinkende Preise. Er rechnet damit, dass die Preise nach einer kurzen Entspannungsphase "weiter nach oben marschieren". Er will in seinen Prognosen zum Jahresende auch ein Preisniveau von 130 Dollar pro Barrel nicht ausschließen.

Unterdessen müssen sparsame Dieselfahrer mit unliebsamen Überraschungen rechnen. Der Preisabstand zwischen Super und Diesel wird immer kleiner. Aral-Chef Stefan Brok will nicht ausschließen, dass in absehbarer Zeit Diesel an den Tankstellen einmal teurer sein wird als Benzin. Der Preisvorteil für Diesel sei derzeit nur auf die niedrigeren Steuersätze zurückzuführen, die Diesel-Fahrer aber mit einer höheren Kfz-Steuer ohnehin ausgleichen müssen.

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