Experte: Öl wird schon in naher Zukunft knapper

- Frankfurt - Trotz der hohen Spritpreise fahren die Deutschen kaum weniger Auto: Der Benzinabsatz fiel in den ersten vier Monaten nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) lediglich um 2,4 Prozent. Aufs ganze Jahr 2003 gerechnet war der Rückgang mit fünf Prozent deutlich höher, wie Hauptgeschäftsführer Klaus Picard sagte. Derweil geht der britische Experte Colin Campbell davon aus, dass Öl schon in naher Zukunft immer knapper werde.

<P>"Es sieht so aus, als wenn wir im nächsten Jahr den Höhepunkt der Weltproduktion überschreiten werden", sagte Campbell der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das hieße, dass bereits die Hälfte aller Reserven erschöpft wäre. Campbell gilt als einer der wichtigsten Fachmänner auf diesem Gebiet. Er widersprach damit dem italienischen Topmanager Leonardo Maugeri, der in der Fachzeitschrift "Science" behauptet hatte, verbesserte Fördertechnik könne die Ölproduktion noch über mehrere Jahrzehnte hinweg steigen lassen.</P><P>Picard betonte, kurzfristige Eingriffe der Bundesregierung - wie etwa ein Absenken der Ökosteuer - seien als Reaktion auf die Rekordpreise nicht sinnvoll. Der Verband forderte die Bundesregierung aber auf, sich für eine Harmonisierung der Mineralölsteuern in Europa einzusetzen. Das Problem des Tanktourismus könne nachhaltig nur über eine Steuerharmonisierung gelöst werden, sagte Picard. Das würde in fast allen Ländern allerdings auf eine Anhebung hinauslaufen. "Andere Staaten in Europa werden ihre Zustimmung zu einer Steuerharmonisierung aber davon abhängig machen, ob sie ihren Volkswirtschaften dieselbe Belastung wie in Deutschland zumuten wollen", sagte Picard.</P><P>Dagegen hält das Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel ein Anheben der Ökosteuer für sinnvoll, auch angesichts einer derzeit weltweit steigenden Nachfrage nach Brennstoffen wie Erdöl. Der IfW-Experte Gernot Klepper sagte: "Falls das in einer konzertierten Aktion vieler Industrieländer geschieht, würde eine höhere Ökosteuer zu mehr Energieeffizienz führen und damit auch Druck von den Ölmärkten nehmen." Langfristig könne dies volkswirtschaftlich einen positiven Effekt haben. Klepper äußerte die Prognose, dass der Ölpreis mittel- und langfristig erheblich über dem heutigen Niveau liegen werde, vor allem wegen des steigenden Bedarfs in Asien und begrenzter Förderkapazitäten.</P><P>Öl und damit Benzin bleiben trotz eines Signals für eine höhere Ölförderquote teuer. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nahm einen Vorschlag Saudi-Arabiens, die Menge um mehr als zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich zu erhöhen, bei einem Treffen in Amsterdam zwar zur Kenntnis, will darüber aber erst am 3. Juni in Beirut entscheiden.</P><P>Die Ankündigung der Saudis verbilligte Rohöl in New York immerhin um 2,1 Prozent auf 39,93 Dollar je Barrel für die Juli-Auslieferung. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent war am Freitag in London um fast einen auf 37,05 Dollar gefallen.</P>

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