Experten: Arbeitsamts-Stellenbörse schadet dem Standort Deutschland

- Nürnberg - Bei der Computerzeitschrift "Chip" kommt das Internet-Portal der Bundesagentur für Arbeit (BA) schlecht weg. Für die Seiten von Arbeitsagentur.de gab es die "Bremse des Jahres 2004". Die "Geldverschwendung grenzt angesichts der hohen Arbeitslosigkeit an Zynismus", heißt es. Private Vermittler auf dem Online-Jobmarkt sehen die Nürnberger Behörde auf dem Holzweg.

<P>Die Ehrung sei gedacht als Denkzettel für Einrichtungen, die den Fortschritt in der digitalen Welt blockierten, teilte "Chip" mit. Die dilettantisch gestaltete Internetseite der Bundesagentur habe dem Image des IT-Standorts Deutschland einen schweren Schlag versetzt, hieß es. Der so genannte virtuelle Arbeitsmarkt sei ein Paradebeispiel für behördliche Misswirtschaft, dessen Kosten jeden Rahmen sprengten. Die Zeitschrift warf der Bundesagentur außerdem umfassendes Versagen vor. Auch der Ruf der gut funktionierenden privaten Stellenbörsen wie Stellenanzeigen.de leide unter diesem Online-Auftritt. <BR><BR>Die Branche teilt diese Kritik. "Die BA will alle Jobs", sagt Ralf Baumann, Vorstand von Stepstone.de, einer der größten deutschen Jobbörsen im Internet. Nach seiner Ansicht versucht die Agentur, einen funktionierenden Markt zu zentralisieren - mit Seiten, die zur Vermittlung von Arbeitslosen viel zu kompliziert seien.<BR><BR>"Die Bundesagentur zieht sich in den Elfenbeinturm zurück und zahlt teure Berater, die von der Materie keine Ahnung haben", sagt Monster.de-Geschäftsführer Kai Deininger. "Hätte man alle Marktteilnehmer bereits in die Konzeptionsphase eingebunden, wären wir näher am Ziel, möglichst vielen Arbeitslosen zu einem neuen Job zu verhelfen", sagt er.<BR>Die Privaten bemängeln, dass die Bedingungen zur Einbindung ihrer Angebote nicht gegeben waren und auch nicht gegeben sind. Wegen des fehlenden Verhandlungswillens der Behörde schlossen sich Online-Vermittler Ende 2003 zu einem "Arbeitskreis Arbeitsmarkt" zusammen und wenden sich gegen eine Zusammenarbeit.<BR><BR>Aus Nürnberg heißt es dazu: "Die BA steht Kooperationen mit Jobbörsen und allen anderen Arbeitsmarktpartnern aufgeschlossen gegenüber, kann und will solche aber nicht erzwingen."<BR><BR>Dennoch sieht die Behörde Verbesserungsbedarf bei ihren Seiten. Die Nutzerfreundlichkeit und der Auftritt sollen verbessert werden. Außerdem sei nicht damit zu rechnen, dass das Projekt gekippt werde. <BR><BR>Die Erklärung, warum sich die BA für viel Geld eine neue Software hat programmieren lassen, obwohl zahlreiche Firmen bereits mit guten Systemen arbeiten, fällt klar aus. "Bei uns gibt es viel mehr Funktionalitäten, mit denen die Übereinstimmung von Bewerberprofil und Firmenanforderungen genauer sind", heißt es.<BR><BR>Dass mehr allerdings nicht immer besser ist, wissen die anderen Online-Jobbörsen aus Erfahrung. "Wir haben einige Abfragen rausgeschmissen, weil der Abgleich von Firmen- und Bewerberdaten dadurch zu kompliziert wird", so Baumann.<BR><BR>Insgesamt sehen sich die privaten Jobvermittler nicht im Konkurrenzkampf mit der BA. "Das ist immer noch die Seite für Schlosser und Schreiner", sagt Baumann von Stepstone.de. Die privaten Jobvermittler hingegen richteten sich eher an Fach- und Führungskräfte.</P>

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