Experten: Im August 3,2 Millionen Arbeitslose - Leichter Rückgang

Nürnberg - Der deutsche Arbeitsmarkt präsentiert sich nach Experten-Einschätzung trotz leichter Konjunktureintrübung weiter in einer robusten Verfassung. Gegen Jahresende sei aber mit einem Ende des Job-Booms zu rechnen, prognostizierten Volkswirte deutscher Großbanken am Donnerstag in einer Umfrage der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Im August waren nach ihren Berechnungen rund 3,2 Millionen Menschen arbeitslos; dies wären rund 10 000 bis 15 000 weniger als im Juli und rund 500 000 weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am nächsten Donnerstag bekanntgeben.

"Wir werden noch zwei bis drei Monate erfreuliche Zahlen am Arbeitsmarkt haben. Dann werden sich die Schleifspuren der nachlassenden Konjunktur am Arbeitsmarkt bemerkbar machen", befürchtet Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Zunächst werde der Rückgang der Arbeitslosenzahlen etwas schwächer ausfallen. "Dann müssen wir uns wieder auf steigende Zahlen einstellen", schätzt der Bankenvertreter. Hinweise dafür liefert aus seiner Sicht die sich abschwächende Investitionsneigung der Unternehmen. Spätestens im vierten Quartal rechnet er mit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Die Einschätzung teilt weitgehend auch der Volkswirt der genossenschaftlichen DZ-Bank, Philipp Jäger: "Im Moment läuft es auf dem Arbeitsmarkt noch rund. Das könnte sich aber im Herbst ändern. Eine deutliche Veränderung werden wir gegen Jahresende spüren", lautet seine Prognose. Allerdings geht er zunächst nur von einer Stagnation aus. Alexander Koch von der Münchner HypoVereinsbank hält dagegen 2009 im Jahresverlauf einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 150 000 für möglich. Ursache dafür sind auch nach seiner Ansicht die sich seit Monaten abschwächenden Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen.

Die in den vergangenen Wochen diskutierte Einschätzung, der Arbeitsmarkt könnte dieses Mal das Konjunkturtal unbeschadet durchlaufen, teilen die Bankenvolkswirte nicht. "Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt vollkommen von der Konjunkturentwicklung abkoppeln kann", stellte Commerzbank-Vertreter Tuchtfeld fest. Daran ändere auch die Arbeitsmarktreform nichts, die eine schneller Vermittlung von Arbeitslosen zum Ziel hat. "Die Reform war sicher hilfreich, aber ganz wird sie den Arbeitsmarkt nicht rausreißen können", meint er.

Im Juli hatte die Zahl der Arbeitslosen um 50 000 auf 3 210 000 zugelegt. Das waren 505 000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,9 Prozent gelegen. In Westdeutschland waren im Juli 2 120 000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 47 000 mehr als im Vormonat und 330 000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland lag die Arbeitslosenzahl im Juli bei 1 090 000. Das waren 3000 mehr als im Juni und 175 000 weniger als vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 6,4 Prozent, im Osten bei 12,8 Prozent.

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