Experten befürchten Engpass bei Lebensmitteln

- Kassel -­ Nach Versorgungsengpässen bei Bioprodukten erwarten Experten auch Probleme bei konventionellen Nahrungsmitteln. "Ohne Zweifel werden wir in Kürze Engpässe auch bei den Grundnahrungsmitteln haben", sagte Professor Michael Schmitz in Kassel. Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, sagte: "Das, was wir heute bei Bio erleben, droht uns morgen auf dem ganzen Agrarmarkt."

Verantwortlich für Engpässe seien eine gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt und die wachsende Produktion von Energiepflanzen.

"Wir hatten schon immer eine gewisse Flächenkonkurrenz zwischen konventionellen und Biolebensmitteln. Jetzt erleben wir auf den Feldern aber einen sehr viel schärferen Wettbewerb zwischen Nahrungsmitteln und Energieträgern", sagte Schmitz. Wegen der steigenden Energiepreise seien viele Landwirte auf Raps, schnell wachsende Pflanzen als Brennmaterial oder andere Energieträger umgeschwenkt. "Das verdrängt Gerste und Weizen, vor allem aber die Futtermittel. Deshalb wird es auch eindeutige Auswirkungen auf die Tierzucht geben." Der zweite Grund sei der wachsende Wohlstand in Südamerika, Teilen Afrikas und vor allem in Asien. "Das ist ein riesiger Markt, dessen Kaufkraft enorm wächst." Wo noch vor einer Generation vor allem Reis gegessen wurde, verlangen die Konsumenten jetzt vermehrt auch nach Fleisch.

Ein anderer großer Markt sei Russland. "Brasilien hat den Schweinemarkt in Russland verloren, da sind jetzt die Deutschen eingesprungen. Damit ist die Bundesrepublik zum ersten Mal zum Schweineexporteur geworden, aber das regt die Nachfrage im Inland natürlich noch mehr an."

Schneider rechnet deshalb auch mit höheren Preisen: "Das ist aber nur eine Normalisierung. Die Deutschen geben nur 14 Prozent ihres Einkommens für Essen aus, bei allen Nachbarn sind es mehr als 20. Wenn wir da ein, zwei Prozentpunkte zulegen, tut das niemandem weh."

Schmitz warnte zugleich vor einem übereilten Eingreifen des Staates und einer zu starken Förderung der Energieträger. "Der Energiesektor braucht noch eine Unterstützung, ich warne aber vor einer Überförderung. Das würde dem Energiemarkt wenig nützen und vor allem letztlich dazu führen, dass die Produktion von Nahrungsmitteln weiter vernachlässigt wird."

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