Experten erwarten Schaukelbörse, aber keinen weiteren tiefen Sturz

- Der Kursrutsch war gewaltig, und es traf vor allem Aktien, die hervorragend gelaufen waren: Solarworld verloren binnen Tagen ein Drittel ihres Wertes. Auch Salzgitter gaben bis Montagabend um ein Viertel des in der Rohstoffhausse hochgeschnellten Börsenwertes nach. Gestern kam es zur erwarteten Gegenbewegung. Ob damit die Korrektur abgeschlossen ist, darüber sind sich die Experten nicht einig.

Trudbert Merkel von Deka-Investment blickt mittelfristig zuversichtlich in die Zukunft. Er verweist darauf, welche Fahrt der Markt zurückgelegt hat: "Von 4800 auf 6100 ohne Atempause." Seit Jahresbeginn sei eine zunehmende Sorglosigkeit zu sehen gewesen und "wir hatten Übertreibungen in einzelnen Segmenten." Solaraktien und Rohstoffe nennt er. "Diese Reaktion war überfällig und ein reinigendes Gewitter." Die sonstigen Daten sind nach seiner Ansicht "im Großen und Ganzen in Ordnung".

Die Weltkonjunktur expandiert mit einer Wachstumsrate von 4,5 Prozent und wird mittlerweile nicht nur von den USA und China, sondern auch von Japan und Europa stimuliert. Die Unternehmensgewinne der Dax-Unternehmen überraschen weiter positiv mit einem Anstieg von 35 Prozent. Merkels Fazit: Die Bewertung ist noch nicht überdehnt. Selbst ein Dax-Stand von 6500 wäre fundamental zu rechtfertigen. So rechnet er damit, dass der Return für Aktien immer noch deutlich über den rund vier Prozent liegt, die man mit Bundesanleihen erwirtschaften kann. Allerdings rechnet er bei stark gestiegenen Segmenten - unter anderem Solaraktien - mit weiterem Korrekturbedarf. Chancen sieht Merkel vor allem bei Schwergewichten: Er nennt Siemens, Daimler-Chrysler und Allianz.

Auch Gerhard Schwarz von der HVB sieht keine dauerhafte Trendwende. "Eher dürfte es zu einer Schaukelbörse kommen", sagt er zu einer seitwärtsgerichteten Entwicklung. Belastungsfaktoren seien im Aufschwung auf die Seite gekehrt worden. "Nun kommt alles auf einen Schlag auf den Tisch." Eine 10-Prozent-Korrektur sei nichts Besonderes. "So etwas gab es fast jedes Jahr". Schwarz rechnet damit, dass wir "die Tiefstände noch nicht gesehen" haben. Es könne aber immer wieder auf- und abwärts gehen. "Ob wir die Höchstmarken aber in diesem Jahr noch einmal erreichen, ist fraglich", sagt er. Die Stimmung der Anleger sei angeknackst. "Wir waren an einem Punkt, wo alles perfekt war und nicht mehr besser werden konnte." Die Gewinnentwicklung im 1. Quartal sei exzellent gewesen, sie werde auch im zweiten Quartal gut sein. Beim Ausblick schon aufs dritte und vierte Qaurtal rechnet Schwarz mit schlechteren Nachrichten. "Die Profitabilität dürfte nicht zu halten sein." Ein schwacher Dollar und steigende Zinsen waren in der Regel ein schlechtes Omen.

Noch vorsichtiger ist Manfred Bucher von der BayernLB, die bereits zu Jahresanfang nicht so richtig in den Chor der Optimisten einstimmen wollte. "Grundsätzlich hatten wir bereits eine schwache Entwicklung erwartet, da sich die Konjunkturperspektiven in den USA eintrüben dürften."

Auch von der Zins- und Währungsseite gebe es Belastungen vor allem für die europäischen Aktienmärkte. Dies hätten die positiven Konjunkturindikatoren bisher ausgleichen können. Doch auch diese dürften nun nach Buchers Erwartung eher rückläufig sein. "Wir erwarten bis Herbst eine volatile Seitwärtsbewegung." Doch auch Bucher sieht für Aktien nicht wirklich schwarz: "Robuste Gewinne der Unternehmen und eine immer noch moderate Bewertung sorgen dafür, dass es nicht zu weiteren dramatischen Kurseinbrüchen kommt."

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