Experten: Frühjahrsaufschwung drückt Arbeitslosigkeit

Nürnberg - Eine kräftige Frühjahrsbelebung und die robuste Konjunktur haben im April für eine Fortsetzung des Arbeitsmarkt-Aufschwungs gesorgt. Nach Berechnungen von Bankenvolkswirten und Konjunkturforschern sank die Zahl der Arbeitslosen im April um rund 150 000 auf 3,35 Millionen.

Der Rückgang würde damit etwa so stark ausfallen wie im Vorjahr, aber schwächer als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Vor einem Jahr waren noch 620 000 Menschen mehr arbeitslos. Die offiziellen Arbeitsmarktzahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch bekannt.

"Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiter entspannt. Alle wichtigen Indikatoren, wie der Einkaufsmanager-Index und andere Stimmungsbarometer, stützen diese Einschätzung", berichtet der Volkswirt der Dresdner Bank, Gregor Eder. Auch der wissenschaftliche Mitarbeiter beim Münchner Ifo-Institut, Steffen Henzel, sieht die Lage auf dem Stellenmarkt nach einem überraschend guten Quartal positiv. Allerdings dürften von dem Rückgang der Jobsucherzahlen von 150 000 verglichen mit März rund 120 000 auf das Konto von Saisoneffekten gehen.

Nach jüngsten Veröffentlichungen der Bundesagentur deutet sich an, dass der aktuelle Jobboom im April offensichtlich seinen Höhepunkt überschritten hat; er könnte sich schon in den kommenden Monaten leicht abschwächen. Erstmals seit knapp viereinhalb Jahren sei die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht weiter gestiegen, hatte die Bundesagentur am Dienstag bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex BA-X berichtet. Die Zahl der freien Stellen stagniere auf hohem Niveau, betont die BA. Es sehe so aus, als ob die Phase der starken Arbeitsplatz-Expansion zu Ende gehe, hieß es.

Der Schwung auf dem Arbeitsmarkt wird sich auch nach Einschätzung von Experten bis zum Jahresende leicht abschwächen. Zwar werde die Arbeitslosigkeit weiter sinken, mit der Dynamik der vergangenen beiden Jahre sei aber nicht mehr zu rechnen, prognostizierten Volkswirte und Konjunkturforscher. Grund sei unter anderem die leichte Eintrübung der Konjunktur, die demnächst auch erste "Schleifspuren" auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen werde.

Von einem Ende des Aufschwungs am Arbeitsmarkt könne aber noch keineswegs die Rede sein, versicherten die Fachleute. "Ich denke, dass es - einen normalen Wirtschaftsverlauf vorausgesetzt - vorläufig zu keinem Einbruch am Arbeitsmarkt kommt. Wir können wahrscheinlich sogar davon ausgehen, dass sich die Erwerbslosenzahl im Jahr 2009 bei drei Millionen einpendeln wird", prognostizierte der HypoVereinsbank- Volkswirt Alexander Koch. Erstmals unterschritten werden könnte die psychologisch wichtige Marke in diesem Herbst, betonen die Fachleute nahezu übereinstimmend. "Dann könnten wir an der Drei-Millionen-Marke kratzen, vielleicht sogar leicht darunter fallen", schätzt auch Ifo- Vertreter Henzel.

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