Experten gegen die 50 Stunden-Woche

- Frankfurt - In der Debatte um Arbeitszeitverlängerung hat CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer Forderungen nach einer 50-Stunden-Woche und weniger Urlaub zurückgewiesen. Der Ökonom Steffen Lehndorff vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen sprach von einer rückwärtsgewandten "Gespensterdebatte".

<P>Meyer bezeichnete im SWR die Idee einer 50-Stunden-Woche als "geradezu töricht". Damit wolle man "allenfalls eine Diskussion kaputt machen".<BR>Lehndorff sagt, kurzfristig mache eine längere Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich für ein einzelnes Unternehmen Arbeit billiger. "Aber nicht alles, was für ein Unternehmen gut ist, ist sogleich für die gesamte Wirtschaft gut." Eine Arbeitszeitverlängerung sei nur bei einem Engpass auf dem Arbeitsmarkt sinnvoll, in Deutschland herrsche aber Arbeitslosigkeit. Zudem sei das Hauptproblem des Exportweltmeisters Deutschland die Schwäche des Binnenmarktes. Bei Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich werde aber die Nachfrage nicht steigen, was zu Entlassungen führen werde.</P><P>Anstatt über ein "Zurück" müsse in Deutschland über eine Verbesserung des Bildungswesens, Prozess- und Produktinnovationen sowie Investitionen in soziale Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung diskutiert werden. "In diesen Bereichen sind wir Mittelmaß."</P><P>BDI-Präsident Michael Rogowski forderte eine Verkürzung des Urlaubs um eine Woche. Deutschland habe mit 42 Urlaubs- und Feiertagen weltweit eine Spitzenposition, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In vielen Firmen hätten Beschäftigte Probleme, Urlaub in der vorgeschriebenen Zeit zu nehmen. </P><P>Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, warf Rogowski "ideologisches Gequatsche" vor. Deutschlands Stärken seien einst innovative Unternehmer und gut ausgebildete Arbeitnehmer gewesen. Heute dagegen herrsche "eine Ideologie vor, die nur noch die Anpassung an wirtschaftliche Zwänge predigt. DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer bezeichnete den BDI-Chef als "eindeutig urlaubsreif". Die IG Metall wird sich nach Ansicht ihres Bayern-Chefs Werner Neugebauer in den nächsten Jahren auf die Verteidigung sozialer Standards konzentrieren müssen. Die Hauptkampflinie werde es sein, Tarifverträge zu halten, sagte er. Der soziale Konsens werde von den Arbeitgebern derzeit täglich neu gekündigt.</P><P>In Einzelfällen plädiert auch VW-Vorstandsmitglied Peter Hartz für eine 50-Stunden-Woche. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Jeder kann im Jahr bis zu 400 Stunden mehr oder weniger arbeiten - die Zeiten müssen sich nur später wieder ausgleichen. Wenn dabei im Einzelfall mal eine 50-Stunden-Woche herauskommt - "was soll daran schlimm sein?"</P>

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