Experten: Juni-Arbeitslosigkeit auf höchstem Stand seit der Einheit

- Nürnberg - Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es weiterhin keine Anzeichen für eine Entspannung. Nach Berechnungen von Experten waren im Juni rund 4,33 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das wäre der höchste Juni-Stand seit der deutschen Einheit. Im Vergleich zum Mai ging die Zahl der Arbeitslosen den Fachleuten zufolge um rund 10 000 zurück. Im Vergleich zum Juni 2002 wären damit derzeit 380 000 bis 390 000 mehr Menschen ohne Arbeit.

<P>Ähnliche Zahlen veröffentlichten die Tageszeitung "Die Welt" und die "Bild"-Zeitung in ihren Mittwochsausgaben. Nach diesen Informationen unter Berufung auf interne Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeit waren im Juni 4,30 Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Die offiziellen Zahlen will die Nürnberger Bundesbehörde am Dienstag (8. Juli) bekannt geben.</P><P>Als Hinweis auf die unverändert schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt wertete Wolfgang Meister vom Münchner ifo-Institut den Anstieg der saisonbereinigten Erwerbslosenzahl. Nach seinen Berechnungen nahm dieser Wert im Juni um 25 000 zu, nachdem die Zahl im Mai um 4000 gefallen war. Andere Fachleute gehen wegen der verstärkten Vermittlungsbemühungen hingegen nur von einem Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl von weniger als 20 000 aus.</P><P>"Wir stecken weiter in einer Stagnationsphase. Daher sind im Moment keine konjunkturellen Impulse für den Arbeitsmarkt zu erwarten", sagte ifo-Arbeitsmarkt-Experte Meister. Auch Rainer Schmidt von Kieler Weltwirtschaftsinstitut sieht den Arbeitsmarkt durch die schwache Konjunktur weiter belastet. Leichte Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt sind nach seiner Einschätzung fast ausschließlich auf die mit dem Job-Aktivgesetz verbundenen häufiger verhängten Sperrzeiten für offensichtlich arbeitsunwillige Arbeitslose zurückzuführen.</P><P>Im Mai waren nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit in Deutschland 4 343 400 Menschen ohne Arbeit. Das waren 152 800 weniger als im April, aber 396 000 mehr als im Mai 2002. Die Arbeitslosenquote war im Mai von 10,8 auf 10,4 Prozent gesunken. Saisonbereinigt war die Erwerbslosenzahl im Mai erstmals seit vielen Monaten wieder zurückgegangen - und zwar um 4000. Auch dies hing nach Experteneinschätzung mit den angezogenen Daumenschrauben der Arbeitsämter zusammen. </P>

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