+
Der VW-Diesel-Skandal sorgte für Empörung unter Autofahrern.

Behörden sollen sich an den USA orientieren

Experten: Strengere Regeln bei Abgasreinigung

Berlin - Geht beim Schadstoffausstoß von Autos wirklich alles mit rechten Dingen zu? Nach dem VW-Skandal berichten Sachverständige von umstrittenen Methoden - und empfehlen mehr Wachsamkeit der Behörden.

Umstrittene Abschaltungen der Abgasreinigung bei Diesel-Autos sind aus Expertensicht zum Schutz moderner Motoren nicht nötig - und mit besseren Kontrollen aufzuspüren. Es sei durchaus möglich, Einblick in die Steuerungssoftware zu bekommen, auch wenn Hersteller das nicht unterstützten, sagte der Programmierer Felix Domke am Donnerstag im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Sehen könne man etwa, bei welchen Bedingungen Funktionen anders geregelt würden. Der Sachverständige Andreas Mayer bezeichnete es als eine „Schande für die Zunft“, wenn solche Änderungen zu höheren Emissionen führten, statt Motoren gründlich zu entwickeln.

Strengere Regeln gefordert

Notwendig seien starke Behörden und strengere Regeln wie in den USA, machte Peter Mock von der Umweltorganisation ICCT deutlich. In Europa würden nur eigens für Tests präparierte „goldene Fahrzeuge“ geprüft. Nach der Zulassung gebe es in der Regel keine Nachprüfungen mehr. In einer Beweislastumkehr sollten es die Hersteller anmelden und sehr genau nachweisen müssen, wenn sie Abschaltungen einsetzen wollen. Mock kritisierte auch einen „Zulassungs-Tourismus“, indem Hersteller Fahrzeuge oder Teile zum Beispiel in Luxemburg genehmigen ließen.

Der von der Opposition beantragte Untersuchungsausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 in Bezug auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr. Volkswagen hatte eine verbotene Software eingesetzt, was in den USA aufflog und zum Diesel-Skandal führte. Auch bei anderen Herstellern wurden später auffällige Abgaswerte entdeckt, etwa bei bestimmten Temperaturen.

Mayer kritisierte, dass Hersteller bei der Abgastechnik Geld zu sparen versuchten. Emissionsbetrügereien seien schon seit den 1970er Jahren aus den USA bekannt. „Je mehr Elektronik es gab, desto mehr Betrügereien gab es.“ Eine Abschaltung der Abgasreinigung bei Erkennen eines amtlichen Tests wie nun bei VW habe es bereits 1998 in einem Lkw-Fall in den USA gegeben, was auch hart bestraft worden sei. „Ich hatte geglaubt, der Schock saß so tief, dass niemand so etwas wieder probieren würde.“ Er schlug vor, eine Abgasuntersuchung einzuführen, bei der auch Filter und Katalysatoren geprüft werden sollten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach der Bundestagswahl: Große Sorge an der griechischen Börse
Wahl mit Folgen: Die Börse in Athen reagiert mit großer Sorge auf die Bundestagswahl. Vor allem die FDP sorgt für Angst und Schrecken unter Anlegern.
Nach der Bundestagswahl: Große Sorge an der griechischen Börse
Air Berlin: Flugbetrieb bis Mitte Oktober gesichert?
Beim Verkauf der insolventen Airline ist „die bestmögliche Lösung“ in Sicht, verspricht das Management: der Verkauf großer Teile an Lufthansa und Easyjet. Es muss …
Air Berlin: Flugbetrieb bis Mitte Oktober gesichert?
Dax nach der Wahl mit geringen Gewinnen
Frankfurt/Main (dpa) - Der weiter schwelende Nordkorea-Konflikt hat am deutschen Aktienmarkt die über weite Strecken eigentlich entspannte Haltung nach der …
Dax nach der Wahl mit geringen Gewinnen
Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten
Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin gibt es nach Angaben des Unternehmens gute Jobperspektiven für einen Großteil der Beschäftigten.
Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten

Kommentare