Experten für Neuordnung - Politik bremst

Frankfurt - Die Neuordnung bei den Landesbanken könnte dem Standort guttun. Doch die Politik steht dabei oft im Weg. Da können Hiobsbotschaften sogar hilfreich sein - etwa, dass die West-LB sich in die Verlustzone gezockt hat.

Ein Anfang ist gemacht: Die Übernahme der Sachsen-LB durch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bringt neue Bewegung ins Lager der öffentlich-rechtlichen Banken. Hier wurde der Deal aus der Krise geboren. Finanzwissenschaftler und Bundespolitiker fordern aber auch unter Normalbedingungen seit Jahren eine Konzentration der Landesbanken.

Und die Sparkassen wünschen sich ein starkes Zentralinstitut. Wegweisend könnte sein, wie das Ringen um die angeschlagene West-LB ausgehen wird: Setzen sich die Befürworter einer Fusion mit der LBBW durch, würde das zweitgrößte deutsche Geldhaus nach der Deutschen Bank entstehen. Beharren Landespolitiker auf ihrem Mitspracherecht, sehen Fachleute eine Chance zur Neuordnung vertan.

"Es ist zu hoffen, dass in Deutschland eine zweite große Bank außer der Deutschen Bank entsteht, die auf den Kapitalmärkten ernst genommen wird", sagte der Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. International gilt die Deutsche Bank als einziges deutsches Institut, das Schritt halten kann.

Eine Verringerung des Marktanteils der öffentlich-rechtlichen Banken mache das deutsche Bankensystem dynamischer, bekräftigt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Das Drei-Säulen-System aus Privatbanken, Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken halten Experten für einen Hemmschuh. Steffens mahnt, die Konsolidierung zum Ende zu führen: Er fordert mehr Privatisierung: "Bei einer Zukunftsindustrie wie der Finanzbranche leisten wir uns hohe Staatlichkeit, obwohl wir wissen, dass der Staat kein guter Unternehmer ist."

Doch ist Landesbank nicht gleich Landesbank. Der Einfluss der Landesherren ist unterschiedlich groß: Während etwa Nordrhein-Westfalen insgesamt rund 38 Prozent an der West-LB hält, beläuft sich der Anteil von Hessen und Thüringen an der gemeinsamen Landesbank (Helaba) auf insgesamt 15 Prozent.

Ökonomen halten die Macht der Landesfürsten bei den Banken für nicht zeitgemäß. Doch mancher Landesbanker sieht den direkten Draht in die Parteizentralen als förderlich fürs Geschäft. Die Institute kommen beispielsweise dann zum Zuge, wenn es um die Förderung regionaler Wirtschaft geht.

Im Fall der West-LB, die die LBBW nur zu gerne auch noch unter ihre Fittiche nehmen würde, gilt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers als größter Widersacher. Während die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen auf eine schnelle Fusion drängen, tritt Rüttgers auf die Bremse. Er will verhindern, dass sich die einst größte deutsche Landesbank in die Arme der stärkeren Stuttgarter flüchten muss. Es geht um Prestige und Arbeitsplätze.

 "Die dortige Politik ist sich noch nicht im Klaren, wie schwierig die Situation der WestLB ist", sagt ein Landesbanker. "Die Angst vor dem Risiko, das das Land und die übrigen Eigentümer tragen, muss wohl erst noch größer werden, damit etwas passiert." Das dürfte mit der Vorlage der Halbjahreszahlen in Düsseldorf am Donnerstag der Fall sein. Fehlspekulationen brachten eine halbe Milliarde Euro Verlust und drücken die West-LB in die Verlustzone, heißt es in Finanzkreisen.

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