Auch dank sinkender Rohstoffpreise

Experten: Ölkonzerne haben Gewinne verdoppelt

Hamburg - Die Kasse klingelt. Die deutsche Mineralölwirtschaft hat mit ihren Raffinerien und Tankstellen ihren Gewinn verdoppelt. Das ergaben Berechnungen eines unabhängigen Dienstes.

Die deutsche Mineralölwirtschaft hat ihre Gewinne aus Raffinerien und Tankstellen nach Berechnungen des unabhängigen Informationsdienstes EID in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verdoppelt. Die Branche habe im Durchschnitt mit Verarbeitung und Vertrieb zehn Euro je Tonne verdient. Das entspreche einem Gewinn vor Steuern von rund 500 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das staatliche Aufkommen aus der Mineralölsteuer beträgt in einem halben Jahr mehr als 20 Milliarden Euro. Das ist ungefähr das Vierzigfache.

Der Absatz von Mineralölprodukten habe sich um 1,4 Prozent erhöht, meldete der Hamburger Energie-Informationsdienst EID am Montag unter Berufung auf eigene Berechnungen. Das lag vor allem an einem sehr hohen Heizöl-Absatz im Juni, als die Preise vorübergehend deutlich zurückgegangen waren und unter 85 Euro für 100 Liter lagen (aktuell: 93 Euro). Der Verkauf von Benzin ist dagegen abermals um 3,9 Prozent zurückgegangen, was auch auf die hohen Preise zurückzuführen sei.

Die verbesserte Gewinnsituation der Tankstellen erklärt der EID vor allem mit den fallenden Rohstoffpreisen von April bis Juni. In dieser Zeit sei der Preisrückgang an den Tankstellen etwas verzögert weitergeben worden. Als sich Ende Juni der Trend wieder drehte und die Beschaffungskosten stiegen, seien auch die Margen sofort um zwei Cent je Liter gefallen, weil auch die Anpassungen nach oben nicht unverzüglich durchgesetzt werden konnten.

Für die Verbraucher sei der hohe Rohölpreis in Kombination mit dem gefallenen Euro-Kurs beunruhigend, heißt es bei dem Fachdienst. Rohöl koste mit 95 Euro je Barrel so viel wie noch nie; für die Importe müssten Rekordpreise bezahlt werden. Das freue vor allem die Förderländer und die internationalen Mineralölgesellschaften, die bei der Ölförderung aktiv seien. Sie erzielten in diesem Bereich den mit Abstand höchsten Gewinn, verglichen mit den wesentlich dünneren Margen in Verarbeitung und Vertrieb.

Die Branche selbst erklärte, die Situation bei den Raffinerien habe sich nach einer längeren finanziellen Durststrecke leicht verbessert. „Ursache sind gestiegene Weltmarktpreise für Mineralölprodukte, die auf geringere Raffineriekapazitäten in den USA und Lateinamerika zurückzuführen sind“, sagte Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin. Grundsätzlich bleibe die Raffineriesituation jedoch angespannt. „Zeiten leicht höherer Margen stehen immer wieder auch Zeiten von Ergebnissen auf oder nahe der Nullgrenze gegenüber.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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