Experten optimistisch: Der Dax kann noch eine Weile steigen

- München - War's das schon wieder? Das fragen sich zahlreiche Anleger bei jedem Rückgang der Aktienkurse. Offenbar nicht. Nach einem kräftigen Rücksetzer haben die Aktienmärkte auch in der abgelaufenen Woche ihre Rekordfahrt fortgesetzt.

Dabei gehen Fernost und Europa Hand in Hand: Der japanische Nikkei-Index stieg zum Wochenschluss auf den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren, der Dax erklomm erneut ein Viereinhalb-Jahres-Hoch. Am Montag war er von der 5300-Punkte-Marke aus gestartet, am Mittwoch sprang er über die 5400, am Donnerstag über die 5500 und zum Wochenschluss sogar über die 5600er-Marke, mit der er allerdings am Nachmittag eine ganze Weile zu kämpfen hatte. Die meisten Experten sind sich sicher: Die Party geht vorerst noch weiter.

Von einer Übertreibung wie um die Jahrtausendwende "sind wir extrem weit entfernt", sagt Udo Becker vom Bankhaus Merck Finck. Denn anders als zwischen 1999 und 2001 stiegen die Kurse im Einklang "mit der Entwicklung der Unternehmen".

Dank steigender Gewinne bleiben Aktien trotz hochgekletterter Kurse mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 "gegenüber dem Rentenmarkt billig", wie Becker sagt. Das bestätigt Reza Darius Montassér, Leiter der Investmentstrategie bei Hauck & Aufhäuser.

Kurzfristige Störfeuer kamen in dieser Woche immer wieder durch schlechte Nachrichten aus den USA. Nachhaltig bremsten sie Dax & Co. aber nicht aus. Die meisten Geschäftsberichte der Dax-Unternehmen haben die Anleger bisher zu weiteren Käufen ermutigt: Mehrfach in dieser Woche haben die Kurse auf Quartalszahlen mit einem ungewöhnlich deutlichen Anstieg reagiert. Und selbst die eher durchwachsenen Siemens-Zahlen weckten unerwartet viel Kauflaune.

Zum Schluss einer erfolgreichen Woche weckte die Stahlbranche die Phantasien bislang abwartender Investoren. Thyssen-Krupp trieb den Dax weiter in die Höhe. Und Salzgitter verhalf mit einem Kursplus von zeitweise rund neun Prozent dem M-Dax über die erneut höher gelegte Latte von 8000 Punkten.

Im Nebenwerte-Index allerdings, der bereits im vergangenen Jahr von Allzeithoch zu Allzeithoch hüpfte, könnte "die Luft langsam dünn werden", erwartet Montassér. Denn zahlreiche Anleger seien nach dem Platzen der Technologieblase ins Nebenwerte-Segment ausgewichen.

Doch mittlerweile seien zahlreiche Blue-Chips günstiger bewertet als Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe. Zu den insgesamt günstigen Daten auf Unternehmensseite gesellen sich auf der Gegenseite Anleger, die nach wie vor auf viel Geld sitzen, das darauf wartet, gewinnbringend eingesetzt zu werden. Vor allem auch institutionelle Investoren, etwa Fondsgesellschaften, haben "nach wie vor hohe Cash-Positionen", bestätigt Becker.

So erklären Experten auch die Entwicklung der letzten Tage: Anleger, die die jüngste Korrektur als Einstiegszeitpunkt verpasst haben, springen auf den Zug auf, der bereits angefahren ist. Und schließlich ist das konjunkturelle Klima positiv wie lange nicht mehr.

Diese Woche sprangen mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex und dem Konsumklimaindex der Nürnberger GfK (siehe auch Kasten) gleich zwei wichtige - und oft genug gegenläufige - Frühindikatoren spürbar in die Höhe.

Auch Montassér sieht noch keine Spur von Übertreibung im Dax. Er erwartet einen robusten Trend in Richtung 6000 Punkte, unterbrochen von auch einmal kräftigen kurzfristigen Korrekturen, die aber die mittelfristige Entwicklung nicht umkehren können. Noch sei der deutsche Leitindex wenigstens 1000 Punkte von einer Höhe entfernt, "wo die Wirtschaft das Kursniveau nicht mehr widerspiegeln würde".

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