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Der Euro wird schwächer werden, erwarten Experten. Allerdings notierte die Gemeinschaftswährung in ihren Anfangsjahren noch niedriger als die nun erwarteten 1,15 Dollar.

Niedrig-Zinspolitik

Experten erwarten deutlich schwächeren Euro

München – Dem Euro steht eine längere Schwächephase bevor. Das erwarten Experten aufgrund der angekündigten anhaltenden Niedrig-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

In zwölf Monaten werde der Euro bei 1,28 US-Dollar stehen, in drei bis vier Jahren bei nur noch 1,15. Diese Perspektive bekräftigte gestern Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, gegenüber unserer Zeitung.Grund sei die wiederholt, zuletzt auch von Notenbank-Chef Mario Draghi bestätigte EZB-Politik, Amerika auf dem Weg zu wieder höheren Zinsen – anders als früher – nicht zu folgen. Wenn die US-Notenbank Federal Reserve allen Voraussagen zufolge spätestens ab Jahresmitte beginnen wird, die Leitzinsen und damit das Zinsniveau nach und nach anzuheben, werden die Europäer weiterhin an ihrem Nahe-Null-Zins festhalten.

Die Absicht, die hinter dieser Politik von Seiten der EZB steckt, ist klar: Das Zinsgefälle soll Geld aus Europa in die USA lenken. Das abwandernde Geld schwächt die Gemeinschaftswährung. Das ist gewollt – von der Exportwirtschaft in den Euro-Krisenländern. Ein gegenüber dem Dollar schwächerer Euro macht es für Amerikaner billiger, in der Euro-Zone einzukaufen.

Das erleichtert es Italien, Frankreich, Spanien Portugal und Griechenland, in die USA zu liefern – und in Länder deren Währungen an den Dollar gebunden sind oder sich daran orientieren. „Auch in der Vergangenheit hatten Finanzkrisen die Folge, dass die jeweilige Währung anschließend schwächer war“, sagt Michels.

Nun orientiert sich diese Politik – wie bereits die Niedrig-Zinsen der EZB – am europäischen Durchschnitt und nicht am Export-Primus. Seit Jahren baut Deutschland seine Exportüberschüsse aus – und muss sich dafür viel Kritik gefallen lassen. Ein starker Dollar erleichtert auch deutsche Exporte und erschwert es umgekehrt, die Leistungsbilanzungleichgewichte etwa durch Urlaubs-Fernreisen teilweise wieder auszugleichen. Weil europäische Ferienziele, die ja vor allem in den Krisenländern liegen, relativ billiger werden, kommt das indirekt Spanien, Italien und Griechenland zugute. Allerdings steht, wie Michels anmerkt, die deutsche Exportwirtschaft nicht mehr ganz so gut da. Sie leidet unter der Schwäche der Währungen von Schwellenländern. Die türkische Lira hat in den vergangenen Monaten ebenso an Wert verloren, wie der russische Rubel oder der brasilianische Real – alles sind wichtige Partner für die deutschen. Da hilft ein schwächerer Euro auch deutschen Exporteuren.

Ein Ende dieser Politik ist nicht absehbar. Während die USA wieder auf einen Wachstumspfad zwischen 2,5 bis 3,0 Prozent zurückgekehrt sind, ist in der Eurozone – nach zwei Jahren mit Minuszeichen – nur allmählich höheres Wachstum zu erwarten. Für 2018 erwarten Volkswirte eine Rate von 1,5 Prozent. Solange die unterliegenden Schuldenprobleme und Strukturreformen in Ländern wie Frankreich und Italien nicht umgesetzt sind, werde sich daran, so Michels, wenig ändern. Daher werde auch die Geldentwertung in der Eurozone weit unter dem Inflationsziel von zwei Prozent verharren.

Martin Prem

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