Verhandlung zu Diesel-Fahrverboten: Urteil wird vertagt

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Trügerischer Reichtum: Experten erwarten kräftige Einbrüche beim Goldpreis. Foto: Fotolia

Experten warnen vor Gold-Rausch

München - So eine gezielte Jagd nach Gold und Silber hat es wohl nie zuvor am Markt gegeben: Beide Edelmetalle eilen von einem Rekordstand zum nächsten. Kleinanleger sollten sich vom Kaufrausch nicht anstecken lassen, warnen Experten.

Seit gut zwei Wochen kaufen Anleger wie im Fieber alles, was sie an Goldigem und Silbrigem kriegen können. Der Goldpreis knackte am Donnerstag die Rekordmarke von 1350 Dollar pro Feinunze. Und der Silberpreis ist mitmarschiert und hat das 30-Jahres-Hoch von 21,61 Dollar bereits hinter sich gelassen.

Kleinanleger sollten sich vom aktuellen Kaufrausch bloß nicht infizieren lassen und jetzt noch einsteigen, mahnt Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), zur Besonnenheit. Der „Riesenhype“ um Gold und Silber sei kaum mehr nachvollziehbar. Das Risiko, dass es in nächster Zeit zu Rückschlägen kommt, sei immens hoch.

„Die Rallye wird immer verrückter - und die Geldanlage in Gold und Silber immer heißer“, warnt auch Roland Aulitzky, Edelmetall-Experte von Finanztest. Wer noch auf den Zug aufspringen und zu momentanen Höchstkursen kaufen wolle, sei schlecht beraten. „Dass die Edelmetalle als sicherer Hafen verkauft werden, ist Etikettenschwindel“, betont der Verbraucherschützer. Sie werfen keine Zins- oder Dividendenerträge ab. Niemand weiß, ob die Kurse überhaupt weiter anziehen. Eine Rendite kann aber allein daraus erzielt werden. „Mit Gold kauft man keine echte Sicherheit, höchstens gefühlte“, winkt auch Cabras ab.

Erster Gold-Automat

in München

Trotzdem greifen Anleger und Spekulanten begierig zu. Jede Form von Investment ist ein Renner, ob der Kauf von Stückgold, Münzen oder börsengehandelten Wertpapieren in Form von Gold-Fonds, Zertifikaten oder risikoreichen Optionsscheinen. In sieben deutschen Städten werden jetzt sogar Automaten installiert, aus denen Mini-Goldbarren wie Schokoriegel oder Zigaretten gezogen werden können. Der erste „Gold-to-go“-Automat ist in München in Betrieb (DAB-Bank in der Landsberger Straße). Auf Knopfdruck spuckt er ein Gramm Goldiges für rund 40 Euro aus. Das sei höchstens für den Verkäufer ein Geschäft, nicht aber für den Käufer, rät Aulitzky ab. Während Rohstoffexperten wie Investment-Guru Jim Rogers unbeirrt einen anhaltend stabilen Aufwärtstrend vorhersagen, werden die ersten Fachleute wie Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg vorsichtig. Die Luft für Gold werde nach der 1300-Dollar-Hürde durchaus „etwas dünner“, so die Einschätzung des Wirtschaftsmathematikers. Gewinnmitnahmen, die zu Kursrückschlägen führen, seien jederzeit wahrscheinlich.

Warum Gold und vor allem auch Silber ausgerechnet mit Abklingen der Finanzkrise so stark begehrt sind, kann sich kein Experte so recht erklären. Als Motor für den Gold-Hype werden immer wieder Inflationsängste angeführt, die niedrigen Zinsen, Rezessionssorgen oder der gesunkene Dollarkurs. In dem Maße, wie die amerikanische Währung in die Knie geht, klettert erfahrungsgemäß der Goldpreis. Doch das allein kann den Käuferansturm nicht erklären. Die Edelmetalle würden eigentlich nicht mehr als vermeintlich sichere Häfen benötigt, wenn sich die Wirtschaft weiterhin so deutlich stabilisiert.

Währungsrisiko

beachten

Derzeit spiele vor allem die Psychologie und die irrationale Nachfrage der Anleger eine ganz große Rolle, hat Aktionärsschützer Cabras beobachtet. Er meint: Jetzt ist nicht Mitschwimmen mit der Masse, sondern massive Skepsis gefragt. Steigen die ersten Investoren aus, kann es auch mit dem Gold- und Silberpreis schnell bergab gehen. Wer als Privatanleger trotzdem über einen Edelmetallkauf nachdenke, ob physisch oder börsengehandelt, solle unbedingt günstigere Kaufkurse abwarten und eher in Gold investieren als in Silber, empfiehlt Aulitzky.

Im Gegensatz zum goldigen „Bruder“ sei Silber eine hoch spekulative Geldanlage und tauge als Industriemetall nicht als solide Alternativwährung in Krisenzeiten. Relativ preisgünstig sind Goldzertifikate. Deutlich teurer kommt der Kauf von Stückgold zum Anfassen zu stehen. Kleine Barren sind kostspieliger als große. Auch die Gebühren für Goldmünzen sind recht hoch. Wer gängige Standardprodukte wie den Krügerrand oder den Maple Leaf kauft, kann sie wenigstens weltweit wiederverkaufen, wenn sie in der Not zu Geld gemacht werden müssen. Ganz wichtig zu wissen: Gold wird in Dollar gehandelt. Fällt die US-Währung gegenüber dem Euro, können Anleger im Euroraum trotz steigender Goldpreise Verlust machen.

Berrit Gräber

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