Export-Erfolg: Osteuropa rettet Bayerns Bauern das Geschäft

- Berlin ­- Die Daumen weisen nach oben. Einen Tag vor Eröffnung der Grünen Woche in Berlin zeigte sich die Agrarbranche ausgesprochen zufrieden über wachsende Umsätze und steigenden Optimismus. Besonders der Export treibt den Absatz von Fleisch-, Milch- oder Getreideproduzenten nach oben. Damit dies so bleibt, hofft die Ernährungsindustrie auf konsequente Reformpolitik und Entbürokratisierung.

Mit einem Novum startet die Grüne Woche, die weltgrößte Agrarmesse, heute Abend in ihre 72. Ausgabe. Zum ersten Mal wird ein deutscher Regierungschef die offizielle Eröffnung in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm übernehmen. Angela Merkel kommt jedoch nicht nur als Bundeskanzlerin, sondern auch ausdrücklich als EU-Ratspräsidentin und bringt Kommissionschef José Manuel Barroso mit.

Europa steht also im Fokus der diesjährigen Agrarschau: Auch weil sich insgesamt 35 europäische Länder, darunter 23 EU-Mitglieder, auf der Messe präsentieren. Zudem bieten die Märkte in Mittel- und Osteuropa die besten Absatzchancen für deutsche Fleisch- oder Milchwaren. Dort wachsen die Volkswirtschaften, die Nachfrage nach Lebensmitteln steigt, sodass nach Aussage von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner Deutschlands Agrarexporte im Jahr 2006 erstmals auf einen Wert von 40 Milliarden Euro stiegen. Allein Bayern konnte seit der Erweiterung der Europäischen Union 2004 die Ausfuhren in die neuen Mitgliedsländer jährlich um rund 30 Prozent steigern.

Für die Lebensmittelbranche war das vergangene Jahr eines der erfolgreichsten seit der Wiedervereinigung. Dank des guten Exportgeschäfts sei der Umsatz um 3,7 Prozent auf 138,6 Milliarden Euro gestiegen, erklärte Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Um 10,2 Prozent seien die Exporte angestiegen.

Die diversen Gammelfleischskandale ließen die Verbraucher in den importierenden Ländern offenbar unbeeindruckt, denn Fleischwaren erzielten sogar Steigerungsraten von über 19 Prozent, während in Deutschland der Pro-Kopf-Verbrauch nach Berechnungen der Centralen Marketing-Gesellschaft der Agrarwirtschaft (CMA) um 500 Gramm sank.

Große Hoffnungen auf die Inlandsnachfrage setzt Abraham ohnehin nicht. "Mit einem Umsatzplus von zwei Prozent wäre ich schon zufrieden", sagte er. Der demografische Wandel mache höhere Steigerungsraten zunichte. Lediglich der Bio-Markt boomt, der Umsatz hat dort um rund 17 Prozent zugelegt. Abraham riet den Landwirten entsprechend zur Umstellung auf Ökoproduktion: "Mach es! Der Erlös ist wesentlich höher."

Trotz der zuversichtlichen Stimmung verknüpfen die Verbände die Grüne Woche auch mit Forderungen an die deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Ganz oben auf der Agenda steht da der Bürokratieabbau. Bauernpräsident Sonnleitner kämpft schon lange gegen den Papierkrieg in der Landwirtschaft, Jürgen Abraham legte jetzt nach: Zwar verspreche EU und Kanzleramt stetig, die Entbürokratisierung voranzutreiben. "Nur sehen wir davon bisher wenig", mahnte er. Zudem sieht Abraham Wettbewerbsnachteile für deutsche Unternehmen, da sie bis zu 40 Prozent mehr für Energie zahlen müssten als in anderen Ländern.

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